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«Ich nutze meine Möglichkeiten spielerisch»

Kategorien: Portraits
Elena Ibello, 17.09.2014

Nik Gugger, Porträt Sept. 2014Nik Gugger und seine Frau Beatrice eröffneten im August das Ristorante «ConCordia». Sie machen mit ihrem Lokal bei der September-Aktion «Klimamenu» von myblueplanet mit und bieten auf ihrer Karte ein gekennzeichnetes Menu an, das klimafreundlich zubereitet ist. Das «Ristorante ConCordia» ist eines von fast 20 Restaurants, die sich an der Aktion beteiligen. Nik und Beatrice Gugger wollen mit ihrem klimafreundlichen Verhalten andere motivieren, es ihnen gleichzutun.

Die Frage, warum Nik Gugger mit seinem neuen «Ristorante ConCordia» bei der myblueplanet-Aktion «Klimamenu» mitmacht, scheint ein ganz leises Erstaunen bei ihm auszulösen. Nicht, weil er mit dieser Frage an einem solchen Gespräch nicht gerechnet hätte. Auch nicht, weil sie ihn auch nur ansatzweise in Verlegenheit brächte. Nik Gugger in Verlegenheit zu bringen, das muss erst einmal einer schaffen. Nein. Es wird wohl dies der Grund sein: Für Gugger war es schlicht keine Frage, ob er bei dieser Aktion mitmachen würde oder nicht. Es war einfach klar.

Der Vollblutpolitiker und Sozialunternehmer hat sein politisches Wirkungsfeld geografisch erweitert. Seit Ende August ist er aus dem Grossen Gemeinderat in Winterthur aus- und in den Zürcher Kantonsrat eingetreten. Geschäftlich hingegen hat er in Winterthur neue Pflöcke eingeschlagen: Im hübschen Dorfkern von Veltheim sitzt der «Palazzo», der neuerdings in frischer oranger Farbe erstrahlt. Darin betreibt Andrea Hafner als Geschäftsführerin das «Ristorante ConCordia». Die mediterranen Spezialitäten im weiteren Sinn, die das Restaurant den Gästen serviert, sind auch da nachhaltig geplant und zubereitet, wo nicht unbedingt «nachhaltig» drauf steht. Anders wäre das mit Nik Guggers Grundhaltung und seiner Freude am Schaffen von nachhaltigen Dingen gar nicht möglich. Darum auch die Selbstverständlichkeit in seinem Engagement bei der myblueplanet-Aktion «Klimamenu».

Stör aus dem Tropenhaus

Klimamenu ConCordia StörWährend der Aktion, die den ganzen September über läuft, animiert myblueplanet in enger Zusammenarbeit mit Eaternity Gastronomiebetriebe dazu, klimafreundliche Menus in ihre Speisekarte aufzunehmen. Mehr als 20 Restaurants nehmen dieses Jahr an der Aktion teil. Zu ihnen gehört auch das Ristorante ConCordia. Dort erhält, wer das Klimamenu bestellt, einen frischen Fisch serviert: Einen Stör, der direkt aus dem Tropenhaus Frutigen angeliefert wird – per Zug. Darauf ist das Team im ConCordia besonders stolz. «Wer lässt seinen Fisch schon mit dem Zug kommen?», fragt Nik Gugger und lächelt dabei schelmisch. Die Fische werden im Tropenhaus in 18 Grad warmem Wasser, das direkt aus dem Lötschberg fliesst, gehalten. Zum Stör serviert das ConCordia Gemüse und Kartoffeln aus regionaler Produktion. Auch für alle übrigen Menüs bezieht das Restaurant das Gemüse aus nahe gelegenen Produktionen. Das Fleisch kommt vorwiegend aus der Schweiz. Fleisch allerdings ist auf der ConCordia-Karte längst nicht vorherrschend, und wer vegan essen will, wird ebenfalls fündig.

Die Menükarte des Ristorante ConCordia ist möglicherweise die beste Metapher für die Grundhaltung des Sozialunternehmers Gugger: Wer Fleisch möchte, kriegt Fleisch; so nachhaltig wie eben möglich. Und wer etwas nachhaltiger oder tierfreundlicher konsumieren möchte, hat nicht nur die Möglichkeit dazu, sondern durchaus die Qual der Wahl. Gugger sagt: «Die Wahrung der Schöpfung liegt mir am Herzen. Ich möchte der Umwelt Sorge tragen und die Ressourcen teilen. Und es macht mir Spass, nach nachhaltigen Wegen zu suchen in dem, was ich tue.» Und genau dieser letzte Punkt sei für ihn entscheidend. Nachhaltiges Verhalten soll Freude machen. Sein Umgang mit dem Thema, so Nik Gugger, sei locker. «Ich bin völlig nicht ideologisiert», sagt er und gesteht sogleich, dass er zum Gespräch mit einem ausgeliehen Töff angereist ist. «Sonst hätte es mir nach der Fraktionssitzung in Zürich nicht rechtzeitig gereicht.»

Klimamenu regt Diskussionen an

Seine fünfköpfige Familie besitzt dafür ein Auto. Auch dazu steht Gugger unumwunden. Aber: «Für mich war ganz klar, dass unser Auto eine sehr hohe Energieeffizienz aufweisen muss. Das Energielabel A war zwingend.» Auch zuhause sorgt die Familie Gugger für einen möglichst tiefen Energieverbrauch. Effizientes Lüften und eine tiefe Grundttemperatur im Haus sind Dinge, die für sie zum Alltag gehört. Ebenso wie beim Wäsche Waschen auf die Umwelt zu achten. «Ich nutze den Spielraum, den ich selber habe, aus. Und das tue ich spielerisch.» Sein Handlungsspielraum als Politiker sei wohl relativ begrenzt, meint er. Insbesondere, falls er in den Regierungsrat gewählt werden sollte, für den er kürzlich seine Kandidatur publik machte. Aber er glaubt trotzdem an Einflussmöglichkeiten. «Ich denke, klimafreundliches Verhalten Einzelner motiviert auch andere Menschen, sich über das Thema Gedanken zu machen», so Gugger. Und wer selber einmal für das Thema sensibilisiert sei, stolpere förmlich immer wieder über Spielräume, die er oder sie nutzen könne, um sich klimafreundlich zu verhalten.

Dass klimafreundliches Verhalten andere zum Nachdenken animiert, zeigt sich im Ristorante ConCordia ganz konkret. Seit der Stör auf der Karte geführt ist, wird im ConCordia mehr über Nachhaltigkeit beim Essen gesprochen. «Einige Gäste unterhalten sich übers Klimamenu und regen damit die Diskussion an», erzählt Gugger. Und er stellt fest, dass sehr viele Gäste seinen Stör bestellen, obwohl der Fisch nicht die günstigste Wahl ist. Dafür zurzeit im ConCordia wohl die klimafreundlichste. Ein Klimamenu wird es dort auch nach der myblueplanet-Aktion geben. Das steht für Gugger schon heute fest.

Klimamenu ConCordia, Klimarechner

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