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«Wir sind keine Asketen»

Kategorien: Portraits
Elena Ibello, 15.10.2014

Elisabeth und Ernst Bichsel – Kombi-Solaranlage für Einfamilienhaus Elisabeth und Ernst Bichsel produzieren mehr Energie als sie selber verbrauchen. Mit ihrer Kombi-Solaranlage auf dem Hausdach versorgen sie sich mit dem nötigen Warmwasser und Strom. Was überschüssig ist, leiten sie ins Netz oder ins Erdreich.

Auf einer Reise im fernen Australien, zu Besuch bei seinem Bruder war es, als der Andelfinger Ernst Bichsel auf den Hausdächern grosse Tanks entdeckte und sich für sie zu interessieren begann. Sie dienten der Warmwasserversorgung der Einfamilienhäuser – energiesparend und umweltfreundlich. «Wieso gibt es so etwas nicht bei uns in der Schweiz?», fragte sich Bichsel. «Auch hierzulande scheint die Sonne.» Als er nach Hause kam, suchte er nach Lösungen, die auf die hiesigen Verhältnisse passen. Und er wurde fündig bei einer der ersten Schweizer Firmen, die Warmwasserkollektoren anboten. Bichsel zögerte nicht lange und bestückte sein Hausdach mit ihnen. Damals war Bichsel 42 Jahre alt. «Damals» ist jetzt 37 Jahre her.

Inzwischen hat Ernst Bichsel seine private Warmwasser-Produktion stark ausgebaut. Er bezieht heute nicht mehr bloss die Wärme für Wasser aus den Kollektoren auf seinem Dach, sondern deckt damit den ganzen Strombedarf. Die Fläche seines Hausdaches, die mit Solarpanels bedeckt ist, hat sich verdoppelt. Vor rund fünf Jahren kamen die Kollektoren für die Stromproduktion zu den Warmwasser-Kollektoren. Vor kurzem nun bestückten die Bichsels ihr Dach auch mit Hybrid-Kollektoren. Die gesamte Solaranlage verfügt über eine PV-Leistung von 9,41 Kilowattpeak (kWp) und eine Hybrid-Leistung von 7,337 kWp. Jährlich produziert sie rund 9'300 Kilowattstunden Strom. Die Wärme, welche im Boden gespeichert wird, kann Bichsel zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in Zahlen benennen.

Dem Trend stets ein wenig voraus

Seit Anfangs Juli 2014 besitzen Ernst und seine Frau Elisabeth Bichsel diese Kombi-Anlage. Seither produzierten sie damit stets mehr Energie als sie verbrauchten und sie rechnen damit, dass sie auch übers gesamte Jahr hinweg einen Energieüberschuss verbuchen werden. Der überzählige Strom geht jeweils ins Netz. Wenn es in der sonnenärmeren Saison dennoch nötig wird, heizen die Bichsels ihr Haus mit einem Warmwasser-Cheminée, mit altem Holz aus dem eigenen Garten.

Die überschüssige Wärme aus eigener Produktion leiten die Bichsels ins Erdreich. Schon 1996 hatten sie eine Tiefenbohrung für die Wärmepumpenheizung vorgenommen. «Wir waren in Sachen Energiegewinnung dem Trend schon immer etwas voraus», sagt Ernst Bichsel und lächelt verschmitzt. «Wir wollten damals die Ölheizung ersetzen, um nicht mehr soviel Öl zu verbrauchen.» Ernst Bichsel macht es sichtlich Freude, nach neuen Wegen zu suchen, wie der eigene Energiebedarf mit innovativen Ideen und wenig Belastung für die Umwelt gedeckt werden kann. «Mir scheint, viele Hausbesitzer geben sich viel zu schnell zufrieden mit den gängigen Lösungen. Es gibt fast immer Möglichkeiten, noch mehr Energie über alternative Quellen zu beziehen und damit auch vom Strommarkt unabhängiger zu werden.»

Umweltbewusst, aber nicht asketisch

Die Kombination verschiedener Lösungen, wie sie nun bei den Bichsels umgesetzt wird, ist kein Angebot von der Stange. «Meines Wissens gibt es eine solche Anlage bisher sonst nirgends in der Schweiz», so Bichsel, der bei seiner Variante von einem «Pilot» spricht. «Wir wissen tatsächlich noch wenig darüber, wie sich die Anlage im Alltag bewährt. Wir versuchen, über ‚trial and error’ die Anlage ständig zu verbessern.» Dennoch: Fürs Erste funktioniert alles immerhin so gut, dass die Solaranlage in den ersten drei Monaten ihres Betriebes rund 2400 Kilowattstunden Strom mehr produzierte, als die Bichsels in ihrem über 40-jährigen Einfamilienhaus gebraucht haben. Mit rund sechs Kilowattstunden pro Tag im Sommer liegt ihr Verbrauch allerdings auch deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt. «Es gehört für uns ganz klar zu unserem Lebensstil, dass wir mit der Energie sparsam umgehen», sagt Elisabeth Bichsel. «Wir setzen überall Energiesparlampen ein, nutzen die Spülmaschine eigentlich nie und löschen Lampen und Geräte, wenn sie nicht gebraucht werden.» Die Bichsels haben sich entschieden, möglichst umweltbewusst zu leben. «Trotzdem wollen wir es uns so angenehm wie möglich machen», sagt Ernst Bichsel. «Wir sind keine Asketen.» Und so suchen die beiden immer wieder nach Möglichkeiten, wie sie diese beiden Bedürfnisse zusammenbringen können. Raus kommen dabei solche Lösungen wie die eigene Energieproduktion mittels Kombi-Solaranlage.

«Wir sind Versuchskaninchen»

Inzwischen wähnt man sich einem gestandenen Fachmann gegenüber, wenn man Ernst Bichsel zuhört, wie er über die ausgeklügelte Anlage für sein Haus und die Energiegewinnung ganz allgemein spricht. Dabei hatte er in seiner beruflich aktiven Zeit nichts mit Technik am Hut. Er war unter anderem als Sozialarbeiter und Familientherapeut tätig. Zuletzt leitete er über 30 Jahre lang das Jugendsekretariat des Bezirks Andelfingen. Seine Frau Elisabeth war Primarlehrerin und Legasthenie-Therapeutin. Die beiden haben in ihrem inzwischen autarken, gemütlichen Einfamilienhaus drei Kinder grossgezogen.

Nun, in ihrem Ruhestand, unternehmen die beiden gerne Ausflüge mit dem Velo und verfolgen zahlreiche Interessen. So betreibt Ernst Bichsel beispielsweise mit Leidenschaft Ahnenforschung. Und er wendet natürlich gegenwärtig nicht wenig von seiner Zeit dafür auf, die Stromproduktion seiner Anlage sowie den eigenen Verbrauch zu dokumentieren und damit zu beobachten, wo in der Umsetzung die Stolpersteine liegen. Noch funktioniere nicht alles einwandfrei, sagt Ernst Bichsel. «Aber nur wenn wir etwas ausprobieren und Erfahrungen sammeln, können wir es auch verbessern. Ich bin in regelmässigem Kontakt mit den Lieferanten. Die sind froh um unsere Erfahrungsberichte – wir sind ja quasi die Versuchskaninchen mit dieser Kombi-Anlage.» Er steht auch zur Verfügung, wenn Interessierte Fragen zu Solaranlagen haben und dazu von den Erfahrungen der Bichsels hören wollen.

Investition lohnt sich auch finanziell

Dank dem kantonalen Förderprogramm rechnen sich die Investitionen in die Solaranlage für Ernst und Elisabeth Bichsel ziemlich rasch. Mit der Einspeisevergütung (KEV) sowie einem variablen Beitrag des Elektrizitätswerks Andelfingen erhalten die Bichsels für den selber produzierten Strom durchschnittlich 4'500 Franken pro Jahr, während insgesamt 25 Jahren. «Damit haben wir in zwölf Jahren die Kosten der neuen Anlage gedeckt », sagt Ernst Bichsel. Zwar wurde die Regelung inzwischen geändert. Wer heute eine kleine Anlage in Betrieb nimmt, erhält keine KEV mehr, dafür einen einmaligen Investitionsbeitrag. Am Ende geht die Rechnung für die Hausbesitzenden dennoch auf. Hinzu kommt der Mehrwert, den ein Haus durch die Anlage erhält. «Die Investition lohnt sich finanziell absolut», so Bichsel. Er vermutet, dass das vielen Hausbesitzern bisher noch gar nicht klar ist. «Ausserdem braucht es ja neuerdings keine Bewilligung mehr von der Behörde. Eine Mitteilung genügt. Das ist eine wesentliche Erleichterung für die Installation einer Solaranlage.»

ebi-ahnen_at_bluewin.ch (Kontakt zu Ernst Bichsel für Informationen und Erfahrungsberichte)

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