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Abgefüllt und teuer verkauft - was du über Mineralwasser wissen solltest

Valérie Trüb, 23.03.2018
Flaschenwasser, Hahnenwasser, myblueplane

Sie halten schlank, wirken extrem vitalisierend, kommen aus Italien oder sind für Babys geeignet. Die Qual der Wahl des richtigen «Mineralwassers» im Supermarkt ist riesengross. Hinzu kommt, dass man sich zwischen «mit» und «ohne» zu entscheiden hat, was reine Geschmackssache ist. Aber macht es denn überhaupt Sinn, dass ich mein Wasser im Laden kaufe und anschliessend mühselig nach Hause schleppe, wenn ich zu Hause einwandfreies und fast kostenloses Wasser aus dem Wasserhahn trinken kann? Oder stecken im gekauften Mineralwasser vielleicht doch mehr Mineralien drin als im herkömmlichen Leitungswasser?

«Mineralwasser» – ein Marketing-Gag

Vorweg möchte ich euch aufzeigen, woher der Begriff «Mineralwasser» stammt. Kurz gefasst ist das sogenannte Mineralwasser ein reiner Marketing-Begriff, entwickelt anfangs des letzten Jahrhunderts. Und jetzt noch etwas genauer: In der Schweiz muss «Mineralwasser» – im Gegensatz zu einfachem Trink- respektive Hahnenwasser – aus natürlichen Quellen oder unterirdischen Wasservorkommen gewonnen werden. Es muss einen gleichbleibenden natürlichen Mineraliengehalt aufweisen und darf, ausser dem Zusatz von Kohlensäure, nicht verändert werden. Mineral- und Hahnenwasser müssen den hohen Anforderungen der schweizerischen Lebensmittelgesetzgebung genügen.

Somit ist jedes Hahnenwasser exakt gleich viel oder gleich wenig Mineralwasser. Die Mineralien sind einfach im Wasser enthalten.

«Mineralwasser» muss nicht frisch sein

Neben dem konstanten Mineraliengehalt ist die Haltbarkeit bei abgefüllten Mineralwassern gesetzlich vorgeschrieben. Der Gesetzgeber hat die Haltbarkeit auf zwei Jahre begrenzt. Wenn du also abgefülltes Wasser kaufst, dann schaue auf das Haltbarkeitsdatum. Wenn es noch sechs Monate Gültigkeit hat, dann weisst du, dass die Flasche bereits vor 18 Monaten abgefüllt wurde und in der Zwischenzeit viele Lagerräume und Transportfahrzeuge gesehen hat. Wenn es sich zudem noch um eine Plastikflasche handelt, lohnt sich aus gesundheitlichen Gründen die Wahl einer anderen Flasche die mindestens noch 18 Monate haltbar ist. Einen interessanten Artikel dazu findest du in diesem K-Tipp. Sie haben diverse Mineralwasser auf Rückstände untersucht und erstaunliches entdeckt. 

Und was ist mit der «Güte» eines Wassers gemeint?Karaffe mit Zitronenwasser

Die Güte eines Wassers misst sich nicht am Gehalt von Mineralien, sondern an der Anzahl von darin noch enthaltenen Keimen. Die Wasserversorgungen müssen hohen Qualitätsstandards entsprechen und stehen darum kontinuierlich unter gesetzlicher Überwachung. Am besten schmeckt Hahnenwasser schön kühl, so wie es ab dem Wasserhahn fliesst. Mit ein paar frischen Pfefferminzblättern oder Zitronenscheiben geniesst du das Hahnenwasser gleich noch viel intensiver.

Mit Hahnenwasser das Klima schützen und Geld sparen

Das Trinken von abgefülltem Wasser aus dem Ausland hat in der Schweiz in den vergangenen Jahren um fast 50% (!) zugenommen. Das wiederum verursachte lange Transportwege auf Schiene und Strasse. Das geht zu Lasten des Klimas und des Portemonnaies. Wir zahlen für einen Liter abgefülltes Wasser rund 100-mal mehr als für einen Liter Hahnenwasser von gleicher Güte.

Nestlé und Co. verdienen damit weltweit Milliarden. Inzwischen sind Menschen in allen Kulturen der Welt überzeugt worden, mit dem Kauf von Flaschenwasser etwas für ihre Gesundheit zu tun. Hier bei uns wird propagiert, dass wir zwei oder mehr Liter Wasser am Tag trinken sollen. Fakt ist und ernährungstechnisch unbestritten: Jeder von uns – ausser der ganz alte oder kranke Mensch – trinkt richtig und ausreichend, wenn er einfach seinem gesunden Durstgefühl folgt.

Ich persönlich trinke schon lange Winterthurer «stilles» Originalwasser. Weil ich es gerne frisch habe, stehen immer drei gefüllte Glasflaschen im Kühlschrank oder im Winter auf dem Balkon. Die Glasflaschen waren mal mit Mineralwasser gefüllt und haben mich so nur das Pfand gekostet.

Na dann, Prost!

 

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von Ulrich Brunner, Gastautor

Ulrich Brunner ist Volunteer-Koordinator und Projekt-Coach der Kampagne «Klimaschutz konkret» bei myblueplanet. Als Biologe und Experte im Bereich Abwasserreinigung verfügt er über fundiertes Wissen zum Thema Wasser.

 

 

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