Direkt zum Inhalt

Beim Fliegen hört der Spass auf!

Kategorien: Klimawissen
Valérie Trüb, 05.06.2018
Flugzeug

Wir pendeln mit dem ÖV zur Arbeit. Wir bemühen uns, saisonal und regional zu essen. Wir konsumieren bewusst und trinken Hahnenwasser. Aber auf den Flug in die Ferien verzichten? Da hört der Spass auf!

Hast du dich wiedererkannt? So ein bisschen? Dann geht es dir wie mir – und den meisten Schweizerinnen und Schweizern. Wir arbeiten viel, haben gefühlt wenig Freizeit und gönnen uns daher auch mal den Weekend-Trip nach London oder die langersehnten Ferien in Japan.

Wir Schweizer sind Vielflieger. Nur 23% aller Befragten haben gemäss einer Studie der Energie Stiftung Schweiz in den letzten zwei Jahren aus ökologischen Gründen auf eine Flugreise verzichtet. Dabei denken wir: Ich esse ja schon vegetarisch (oder vegan) und fahre ÖV statt Auto – da habe ich es verdient, mir auch einmal etwas zu gönnen. Oder: Wenn ich nur drei Tage frei habe, will ich diese nicht im Zug verbringen. Ausserdem ist Fliegen viel günstiger als Zugfahren. Das stimmt natürlich alles. Aber – natürlich gibt es da ein Aber – wir alle wissen, dass Fliegen in der Schweiz einer der grössten Klimakiller ist.

Und jetzt? Wir können beispielsweise die CO2-Belastung, die wir verursachen, finanziell kompensieren. Dabei investieren wir in Klimaschutzprojekte, welche die gleiche Menge CO2 binden. Die Kompensation gleicht so unsere Emissionen aus. Teuer ist das nicht wirklich, wenn wir bedenken, wie billig die Fliegerei ist. Mir hilft es zumindest gegen das schlechte Gewissen. Und trotzdem kompensieren die wenigsten ihre CO2-Belastung, wenn sie in die Ferien fliegen. (Übrigens: Kreuzfahrtschiffe sind keinesfalls besser.) Ausserdem kann die Kompensation dazu verleiten, dass man mehr fliegt, weil der Schaden ja «aufgehoben» wird.

Wir kommen nicht darum herum: Die Flugzeugeinzig wirklich nachhaltige Lösung ist, weniger zu fliegen. Denn CO2 kompensieren ist schön und gut, aber wir müssen CO2 reduzieren, wenn wir die Klimaziele erreichen möchten. Wir wissen das, zumindest die meisten. Wieso fällt es uns so schwer, dieses Wissen auch in die Tat umzusetzen?

Mögliche Gründe, weshalb es ohne Fliegen (vermeintlich) nicht geht:

  • Ich möchte nicht auf das Erlebnis verzichten. Die Welt bereisen, andere Kulturen und Länder kennenlernen – das geht nun einmal nicht (nur) mit dem Velo.
  • Ich möchte mit meinen Freunden in die Ferien fahren. Und die fliegen in die Ferne – mit oder ohne mich.
  • Ich habe nur begrenzt Zeit/Geld für Ferien – Fliegen ist schneller und günstiger.

Während klimafreundliche Ernährung, nachhaltige Mode oder Öko-Mobilität vielleicht noch Spass machen oder zumindest machbar scheinen, tut der Verzicht aufs Fliegen richtig weh. Hier gibt es keine richtige Alternative – wir müssen uns entscheiden: fliegen oder nicht fliegen. Schliesslich läuft es darauf hinaus, was uns wichtig(er) ist und welche Opfer wir bereit sind, zu bringen. Fürs Klima, für unsere Zukunft und für unsere Überzeugungen.

Natürlich gibt es auch in der Schweiz und im näheren Ausland Feriendestinationen, die eine Reise wert sind. Ich habe jedenfalls bei der Recherche zu diesem Blogbeitrag richtig Lust bekommen auf einen Städtetrip in Europa – mit dem Zug selbstverständlich. Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden, wohin die Reise gehen soll.

Und du? Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du in die Ferien fliegst? Kompensierst du deine CO2-Belastung? Oder bist du diesen Sommer mit dem Zug unterwegs? Vielleicht hast du ja auch den ultimativen Tipp für klimafreundliche Ferien. Schreib einen Kommentar und sag mir, was du denkst.

War dieser Blog für dich lesenswert?

Fabienne Pfister, Redaktorin mybluemoment-Blog, myblueplanet

 

«Klimaschutz bedeutet für mich nicht Verzicht, sondern bewusste Reduktion auf das, was wichtig ist. Weil das Leben kurz und niemand perfekt ist.»

 

Neuer Kommentar

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.