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Die nächste kantonale Abstimmung ökologisch betrachtet

Kategorien: Klimawissen
Nick Eichmann, 08.09.2017
Symbolbild Stau

Mit der Gegenreform zur Anti-Stau-Initiative soll der motorisierte Privatverkehr analog dem öffentlichen Verkehr in der Kantonsverfassung verankert werden. Dies hat zur Folge, dass der Kanton die Strassennetze bei Verkehrszuwachs laufend ausbauen muss und bei einer Leistungsminderung der Staatsstrassen jenes Leistungsdefizit mit Investitionen ins kantonale Strassennetz ausgleichen muss.
Laut dem Initiativkomitee soll «Der MIV (motorisierter Individualverkehr) (..) mit dieser Verfassungsänderung wieder mehr Gewicht erhalten». Daraus versprechen sie sich weniger Stau, flüssigeren Verkehr und eine Förderung des Gesamtverkehrs.
Leider ist dieser Vorschlag wenig innovativ, um das Problem der momentan überlasteten Verkehrssituation anzugehen, da diese Initiative den Individualverkehr lukrativer macht und ein grösseres Verkehrsaufkommen verursachen wird. Aus ökologischer Sicht bewegt man viele Leute von A nach B mit dem öffentlichen Verkehr (öV). Insbesondere die Effizienz und Ressourcenersparnisse tragen zu einer geringeren Umweltbelastung bei. Dies verdeutlicht folgender Auszug aus dem ZVV Strategiebericht 2020-2023:
«Mit einem Anteil von lediglich rund 5 Prozent am Energieverbrauch des Gesamtverkehrs im Kanton Zürich übernimmt der öffentliche Verkehr rund 30 Prozent der Verkehrsleistung. Dabei zeichnen sich insbesondere die strombetriebenen Fahrzeuge (S-Bahn, Tram, Trolleybus) durch eine hohe Energieeffizienz, kaum CO₂-Emissionen und einen geringen Ausstoss an Luftschadstoffen aus.»
Mit oben beschriebener Gegenreform wird aber genau dieser zur Seite gedrängt. Die Bevölkerung wird dazu animiert, den Privatverkehr zu nutzen, indem Strassen vergrössert und Stauzonen ausgebaut werden, um Staus zu reduzieren. Somit steigt das Interesse, vermehrt wieder mit dem Auto zur Arbeit zu pendeln, was das Verkehrsaufkommen vergrössern und schlussendlich wieder in Staus und Überlastungen enden würde.
Gerade in Städten könnte man die nachhaltige Mobilität fördern, etwa durch eine Erweiterung des Fahrradwegnetzes oder den Ausbau des öV. Gerade durch die stetig wachsende Bevölkerung sind innovative Mobilitätslösungen notwendig, was den öV besonders attraktiv macht, da er im Verhältnis mehr Personen zu bewegen vermag als der motorisierte Individualverkehr.
Gewiss sollen auch die Strassen berücksichtigt und gepflegt werden, da sie ein grosser Teil der Schweizer Infrastruktur sind. Trotzdem soll der Öffentliche Verkehr vor dem privaten Individualverkehr bevorteilt werden.

Ein Beispiel: Mit der Annahme der besagten Gegenreform kann der Stadtbus Winterthur an einer dicht befahrenen Kreuzung nicht mehr durch eine fahrplanabgestimmtes Grünlicht bevorteilt werden, da der motorisierte Privatverkehr gleich priorisiert würde. Zur Hauptverkehrszeit hätte ein vollbeladener Bus mit mehr als 100 Personen gegenüber einem Auto, das durchschnittlich mit 1.4 Insassen fährt, keine Priorität. Dabei sollte doch das Augenmerk auf der Förderung des Transports von grossen Personenmengen liegen.

 

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