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Gilbert Tschäppät: «Im gegenseitigen Geben und Nehmen leben»

Kategorien: Portraits
admin myblueplanet, 27.02.2014

 

Geboren 1964 in Winterthur und aufgewachsen im Tösstal, in Rikon und Turbenthal, wurde mir die Natur gewissermassen in die Wiege gelegt. Durch die Begegnungen mit unseren Hauskatzen und meinen neugierigen Beobachtungen beispielsweise der wunderschönen Ameisenhaufen auf dem Grundstück reifte ein natürliches Neben- und Ineinander mit den lebenden Wesen heran.

Ausgedehnte Streifzüge durch den Wald waren meine Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit. Dabei lernte ich auf unverkrampfte Weise mit den verfügbaren Materialien umzugehen. Welche Entdeckungen mit dem natürlich sprudelnden Wasser, dem Holz und natürlich dem Feuer wurde uns, meinem Bruder und mir, dabei geschenkt! Dies alles konnte ich glücklicherweise auch meinen zwei unterdessen erwachsenen Kindern mitgeben.

Neues Denken
Die Natur-Erfahrungen liessen die Überzeugung in mir reifen, dass die Menschheit im Grunde bestrebt sein muss, mit der Natur im gegenseitigen Geben und Nehmen zu leben. Das beinhaltet sowohl den friedlichen Umgang miteinander, das achtsame Produzieren der Nahrung, den verantwortungsvollen Umgang mit den endlichen Rohstoffen. Ganz besonders ist es mir ein Anliegen, dass wir lernen, Ziele mit Effektivität anzustreben, das heisst: die Qualität der Zielerreichung, also die Wirksamkeit, soll im Fokus sein und nicht die Wirtschaftlichkeit, sprich das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

In den vergangenen Umweltdebatten wurde der Mensch als «Schädling» angesehen. Dieses Denken nimmt uns alle Möglichkeit, eine grundsätzliche Neuausrichtung auch nur im Ansatz zu gestalten. Davon müssen wir abkommen. Ein gesundes Dasein, ein bewusster Umgang miteinander und mit der Umwelt, unserer Lebensgrundlage: in diesem Umfeld möchte ich mich einbringen.

Beispielsweise können wir unsere Intelligenz und Inspiration dazu nutzen, Gebäude als Baumhäuser zu konstruieren. Ein Haus übernimmt dabei viele Funktionen eines Baumes. Es wird mehr Energie erzeugt, als das Gebäude selber verbraucht. So wie Bäume Luft reinigen, könnte es Gebäude geben, die Luft reinigen. Die ver-wendeten Materialien sind bewusst so gewählt, dass eine Wiederverwendung für zukünftige Bauten möglich ist. Die natürlichen Materialien können problemlos «kompostiert» werden, sprich dem natürlichen Stoffkreislauf zugeführt werden. Diesen Ansatz verfolgt Michael Braungart, Geschäftsführer des Umweltforschungs- und Beratungsinstituts EPEA in Hamburg mit grossem Enthusiasmus.

Zudem bin ich überzeugter Verfechter der Konsumation von regionalen Produkten. Unsere wöchentliche Demeter-Gemüselieferung wird jeweils mit grosser Freude erwartet. Die Grünen haben beschlossen, eine Volksinitiative für nachhaltig produzierte Lebensmittel (Lebensmittel-Initiative) zu lancieren. Unbestritten, dass ich dieser Initiative meine Unterstützung anbiete!

Offenheit und Entkrampfung
Wir müssen wieder lernen, dem Materiellen den ihm gebührenden Stellenwert zu geben und uns bewusst werden, dass wir ohne die Natur nicht leben können. Wir helfen uns und unserer Umwelt, wenn wir davon wegkommen, alles zu analysieren, einzuteilen und dann unsere Erkenntnisse als sankrosankt anzusehen. Ein weicherer Blick und Vertrauen in das Leben sind hilfreich. Das Leben ist primär Veränderung und nicht Stillstand.

Durch die berufliche Ausrichtung als dipl. Wirtschaftsinformatiker und durch meine Familie war ich in der Vergangenheit zeitlich und kräftemässig stark engagiert. Doch nie verlor ich aus den Augen, was mir wirklich wichtig ist. Beispielsweise habe ich mich vor zehn Jahren vom eigenen Auto verabschiedet und bin seither überzeugter Mobility-Genossenschafter.

Heute bin ich soweit, dass nun alles, was ich im Innen und Aussen gelernt habe, zu einem lebendigen Ausdruck kommen will. Dies in Form von aktiver Teilnahme an einer sinnvollen Tätigkeit. Der Klimaschutz ist ein ideales Betätigungsfeld dafür.

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