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Holzgas: Energieträger der Zukunft

Kategorien: Portraits
Valérie Trüb, 18.10.2016

Holzvergaser-Blockheizkraftwerke werden einst Teil der Schweizer Energielandschaft sein. Dies ist die Vision von Tobias Ott (28 Jahre) und Claude Ritschard (27 Jahre), den beiden Master-Studenten in science in engineering (MSE) und wissenschaftlichen Assistenten am Institute of Computational Physics an der ZHAW. Mit dem Bau und der Inbetriebnahme eines Experimental-Holzvergaser im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der ZHAW haben sie den Stein dafür bereits in Rollen gebracht und myblueplanet nun davon erzählt.

Was wolltet ihr mit der Konstruktion des Experimental-Holzvergasers erreichen?
Die Holzvergasung ist eine altbekannte Technologie. Dennoch gibt es auf diesem Gebiet noch viel zu erforschen. In unserer Bachelorarbeit setzten wir uns zum Ziel, einen Holzvergaser zu bauen, mit dem viele verschiedene Betriebsvarianten getestet werden können. Dank seines modularen Aufbaus und den vielen Messinstrumenten können die Betriebsparameter der verschiedenen Modi erfasst werden. Dies dient der Erforschung des Holzvergasungsprozesses.

Welches sind die Vorteile von Holzvergasern gegenüber anderen Heizsystemen?
Der Holzvergaser soll nicht als «simples» Heizsystem, sondern als Komponente eines Blockheizkraftwerkes verwendet werden. Der Holzvergaser produziert Holzgas, das als Brennstoff beispielsweise in einem Verbrennungsmotor genutzt wird. Der Motor treibt einen Generator an, der die mechanische Energie des Motors in elektrischen Strom umwandelt. Zudem kann die Abwärme des Motors und der Abgase für Heizzwecke genutzt werden. Damit sollen aus Holzabfällen elektrischer Strom und Wärme gewonnen werden. Eine solche Verwendung des Brennstoffes nutzt einen grösseren Anteil der Exergie. Unter Exergie versteht man denjenigen Anteil der (chemisch gebundenen) Energie des Holzes, der in mechanische oder elektrische Energie umgewandelt werden kann. Zudem ist Holz eine CO2-neutrale, erneuerbare Energiequelle.

Welchen Einfluss hatte der Klimaschutzpreis von myblueplanet und der Johann-Jacob-Rieter-Stiftung auf euer Projekt?
Dank des Klimaschutzpreises bekamen wir die Möglichkeit, den Holzvergaser an Anlässen, wie der «Winterthurer KlimaLandsgemeinde» oder am «Swiss Green Economy Symposium» zu präsentieren. Ausserdem schrieben einige Zeitungen über unsere Arbeit und über myblueplanet erfuhr die schweizerisch-portugiesische Firma «Aberta Nova» von unserem Experimental-Holzvergaser.

Kam es zur Zusammenarbeit mit «Aberta Nova»?
Ja. Wir konnten zwei Mitarbeitenden von «Aberta Nova» in Thalwil unseren Holzvergaser präsentieren. Daraufhin luden sie uns nach Portugal ein, um ihr Holzvergasungssystem vorzustellen. Daraus entstand schliesslich ein Forschungsprojekt zwischen der ZHAW und der «Aberta Nova» zur Analyse und Optimierung des portugiesischen Systems. In Portugal gibt es verschiedene Holzarten, die sich deutlich von unseren heimischen Hölzern unterscheiden. Zudem sind sie teilweise schwieriger in einem Holzvergaser zu verwenden. Dank unserem Experimental-Holzvergaser können wir mit diesen Holzarten Versuche machen, um die richtigen Betriebsparameter zu definieren.

Wie geht es weiter mit dem Experimental-Holzvergaser? Was ist eure Vision?
Wir sind daran, ein komplettes Holzvergaser-Blockheizkraftwerk zu bauen, das aus Holzabfällen Strom und Wärme produzieren soll. Das System wird ebenfalls einen experimentellen Charakter haben und viele Messinstrumente aufweisen, wodurch sich die Betriebsparameter des gesamten Systems bei verschiedenen Modi bestimmen lassen. Dieses Semester unterstützen uns zwei engagierte Energie- und Umwelttechnik Studenten. Weiter sind wir zurzeit an der ZHAW daran, ein grosses Projekt auf dem Gebiet der Holzvergasung aufzuziehen.

Die Abschaltung der Schweizer AWKs ist momentan ein hochbrisantes Thema, das die Frage nach einer neuen Lösung für die Energieversorgung der Schweiz aufwirft. Unsere Vision ist es, dass Holzvergaser-Blockheizkraftwerke in der Energiestrategie 2050 einen wichtigen Beitrag zur dezentralen Energieversorgung leisten werden.

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