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Klimafreundlichkeit in der Eis-Produktion, «The Green Fairy» macht's vor

Kategorien: Portraits
Meike H. Seele, 30.06.2015

Wie sich genussvolles Eisessen mit Klimaschutz kombinieren lässt, zeigt die Eisproduzentin Sonja Dänzer aus Zürich. Sie produziert Eis, das in vielerlei Hinsicht punktet. Es wird klimafreundlich und aus rein pflanzlichen Produkten hergestellt und ist sowohl bei Laktoseintoleranz als auch bei veganer Ernährung ein Hit!

Frau Dänzer, Sie haben ein Unternehmen gegründet, das nachhaltig, biologisch und mit Fair Trade-Produkten Eis herstellt: «The Green Fairy»

Wie kamen Sie auf diese Idee?

Im Zuge meiner Doktorarbeit, die ich zum Thema Fair Trade geschrieben habe, kristallisierten sich zwei wesentliche Einsichten für mich heraus: Erstens wollte ich nachhaltig wirtschaften und ein eigenes Unternehmen gründen, und zweitens wollte ich Menschen dazu bewegen, stärker pflanzenbasiert zu essen. Daraus entstanden ist dann die Idee, ein Eis zu lancieren, das sowohl biologisch und mit Produkten aus fairem Handel als auch rein pflanzlich hergestellt und somit bedeutend nachhaltiger als Rahmglace ist. Ich möchte mit meinem Glace erlebbar machen, das nachhaltige pflanzliche Produkte absolut genussvoll sein können und nicht, wie viele meinen, mit Verzicht einhergehen müssen.

Ihr Unternehmen «The Green Fairy» ist ein «Social Business». Was genau muss man darunter verstehen?

Als oberstes Geschäftsziel habe ich ein sozial-ökologisches Anliegen. Ich möchte etwas bewirken. Bei mir steht nicht der Profit an erster Stelle. Neben der Nachhaltigkeit der Glaces und dem Ziel, Menschen zu motivieren, mit einer stärker pflanzlichen Ernährung zu experimentieren, gehen 5 Rappen pro verkauftes Glace an soziale Projekte in Entwicklungsländern. Ausserdem tragen unsere Produkte dazu bei, dass auch Menschen mit Laktose- oder Glutenintoleranz wieder Glaces geniessen können.

Stehen Sie denn mit Ihrer Unternehmens-Philosophie ganz im Zeichen einer veganen Ernährung?

Meine Unternehmensphilosophie steht im Zeichen einer ethischen und nachhaltigen Ernährung und diesbezüglich ist der pflanzliche Ursprung der Glaces wichtig, denn sie haben eine viel bessere Ökobilanz als tierische Produkte. Die Bevölkerung hat aber nach wie vor massive Vorurteile gegenüber einer veganen Ernährung und pflanzlichen bzw. veganen Produkten. Ich möchte dazu beitragen, diese Vorurteile abzubauen. Man muss in keiner Weise ein Vollfreak sein, um sich vegan zu ernähren.

Sie haben 2012 mit der Eisproduktion angefangen. Wie viele Tonnen Eis produzieren Sie inzwischen?

Im Jahr 2014 habe ich circa 6 Tonnen Eis verkauft, das sind rund 60'000 Eisbecher. In diesem Jahr werden es vermutlich schon etwa 10 Tonnen sein. Die Nachfrage steigt rasant.

Ihr Eis besteht aus Reis, Soja und Kokosfett als Basis und Ersatz für Milch bzw. Rahm. Wieso nutzen Sie sowohl Reis als auch Soja?

Anfangs habe ich nur Soja als Grundzutat verwendet. Aber es gibt auch Menschen, die eine Unverträglichkeit auf Soja haben. Reis hingegen geniesst eine fast vollumfängliche Verträglichkeit in der Bevölkerung. Einige Sorten schmecken aber besser auf Sojabasis und die haben wir so belassen. Unter den sechs Geschmacksrichtungen, die ich anbiete, findet sich sicher eine Geschmacksrichtung, die dem eigenen Geschmack hundertprozentig entspricht! Was das Thema Klimafreundlichkeit betrifft, so verzeichnet ein vegan produziertes Eis, das also in der Herstellung gänzlich auf Milchprodukte und Eier verzichtet, einen um zwei Drittel geringeren Klimagas-Ausstoss als Eis, das mit Rahm hergestellt wird.

Inwieweit ist denn Ihre Verpackung nachhaltig produziert? Sie haben zum Probieren heute kleine Kunststofflöffel mitgebracht. Das passt ja nun nicht in das Konzept Nachhaltigkeit?

Dass mit den Löffeln ist tatsächlich ein heikles Thema. Ich habe mein Eis anfangs mit Holzlöffeln angeboten. Das wiederum mochten die Kunden nicht. Der Holzgeschmack der Löffel hat sie beim Eisessen gestört. Und mein Verpackungshersteller verlangt von mir eine um das zehnfache grössere Bestellmenge an Eisbechern, damit er mir nachhaltige Löffel zusammen mit der Verpackung produziert. Was die Löffel angeht, bin ich also noch zu klein für eine nachhaltige Produktion.

Woraus bestehen Ihre Eisverpackungen?

Im ersten Jahr habe ich das Eis in Biokunststoff-Becher gefüllt. Diese waren durchsichtig und mussten per Hand mit Etiketten versehen werden. Das grösste Problem war aber, dass sie in der Kälte nicht stabil waren und zerbrochen sind. Inzwischen nutze ich Karton, der FSC zertifiziert ist.

Wie haben Sie sich logistisch aufgestellt? Wo kann man Ihr Eis beziehen?

Derzeit verkaufe ich vor allem in Bioläden und Reformhäusern. Aber auch immer mehr Cafés und Restaurant bieten mein Eis an. Das Eis von «The Green Fairy» ist inzwischen flächendeckend in der Schweiz zu beziehen.

(Verkaufsstellen)

Derzeit bieten sie sechs verschiedene Sorten Eis an (Strawberry, Pistachio, Salted Caramel, Chocolate-Chip, Vanilla, Coffee-Crunch). Welche Geschmacksrichtung planen Sie als nächstes?

Als nächstes bin ich daran, ein Kindereis zu entwickeln und zwar das erste gesunde Kindereis! Als Mutter möchte man ja, dass das eigene Kind genussvoll isst und sich gleichzeitig gesund ernährt. Mein Eis soll ein gesunder Sommersnack für Kinder werden, hergestellt aus Fruchtpüree und Apfeldicksaft. Mein Sohn ist bei diesem Projekt gerade mein grösster Fan und Unterstützer. Bis zum 9 Juli läuft dazu noch eine Crowdfunding-Kampagne auf 100-days.net.

Was sind die Hürden, die Sie bei so einem Projekt bewältigen müssen?

Die Verpackung ist die grösste Hürde. Da ich von Anfang an zwei Geschmackssorten anbieten möchte, muss ich mindestens zwei Mal 50'000 Stück Verpackung bestellen, weil sich sonst das Bedrucken nicht lohnt. In summa sind das also 100'000 Stück Verpackungsbecher. Die grösste Hürde ist hier also die Verpackungsindustrie mit ihren Bedingungen. Um das Projekt dennoch verwirklichen zu können, brauchen wir die Unterstützung von Leuten, die die Idee gut finden und sie, auch mit ganz kleinen Beträgen, unterstützen wollen. Schaut doch mal ins Projekt rein, wir freuen uns über jeden boost!

(Hier geht’s zum Projekt)

Dann wünschen wir ganz viel Glück beim neuesten Projekt. Wir freuen uns auf alle neuen Eissorten aus der Küche von «The Green Fairy»!

 

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