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Michael Christ: «Mir liegt der Alpenraum am Herzen»

Kategorien: Portraits
Regina Hubschmied, 10.04.2014

Als gebürtiger Davoser habe ich einen engen Bezug zur Bergwelt. Schon als Kind bin ich Skirennen gefahren und habe als Jugendlicher zum aufkommenden Snowboarding gewechselt, wo ich über zehn Jahre lang Wettkämpfe in der Halfpipe bestritt. Die Arbeitswelt war zu dieser Zeit eher Nebensache, aber ich konnte mit diversen Temporärjobs Erfahrungen in verschiedenen Branchen sammeln und habe daneben einige private Reisen unternommen.

Nach einer langen Reise durch Asien bin ich in den Tourismus eingestiegen. Diese Branche ermöglicht es mir, meine Kenntnisse als Marketing-Fachmann zusammen mit der Leidenschaft für Graubünden zu kombinieren. Die Tätigkeit als Marketingleiter bei Chur Tourismus ist sehr abwechslungsreich und spannend. Kaum eine andere Stadt kann eine so attraktive Kombination zwischen Kultur und Natur bieten wie die Alpenstadt Chur. Zudem sind die Verkehrswege in der Bündner Hauptstadt kurz und ich kann den Arbeitsweg problemlos zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurücklegen oder über Mittag schnell eine Runde joggen. Ein Schwerpunkt im Tourismus war immer auch der «Langsamverkehr»; hier konnte ich schon mehrere Wander- und Bikerouten-Projekte im Graubünden erarbeiten und umsetzen, welche den sanften Tourismus fördern. Aktuell stehen zwei E-Bike-Projekte auf dem Radar, unter anderem unterstütze ich das Projekt Umweltveloweg Zürich – Chur, welches bald lanciert wird.

Die Natur bedeutet mir sehr viel. Bei ausgiebigen Touren mit dem Splitboard oder dem Mountainbike kann ich auftanken und die Bergwelt so richtig geniessen. Auf meiner Asien-Reise habe ich vieles gesehen, was mich im Bezug zum Umgang des Menschen mit der Natur nachdenklich gemacht hat. So sehe ich heute den Tourismus, als eine der emissions-intensivsten Branchen, durchaus auch kritisch. So bereichernd ein Aufenthalt in anderen Ländern und auf fremden Kontinenten sein kann, so sehr sollten wir uns auch Gedanken darüber machen, ob sich die Menschheit und die Umwelt diesen Luxus zukünftig noch leisten kann und will. So alltäglich es geworden ist, dass die Produkte, die im Westen konsumiert, im Osten produziert werden, ist es heute in der ersten Welt Standard geworden, mal schnell für ein, zwei Wochen ans andere Ende der Welt zu fliegen um sich zu «entspannen». Obwohl dies, aufgrund der langen Reise und der ganzen Formalitäten und Vorbereitungen, eigentlich ein Widerspruch ist.

Einsatz für eine vernünftige Ferienplanung

Ich setze mich vermehrt für eine vernünftige Ferienplanung ein. Es muss uns viel bewusster werden, wie viel Schadstoffe mit Langstreckenreisen ausgestossen werden und was dies für Konsequenzen hat. Heute kennen viele Leute die halbe Welt, sind sich aber nicht bewusst, was für grossartige Landschaften und auch Kulturen sich vor der eigenen Haustüre befinden. Mir liegt dabei nicht nur meine Heimat Graubünden, sondern generell der Alpenraum am Herzen. Nachdem ich selber auf längeren Trips auch meine Reise-Erfahrungen ausserhalb Europas gesammelt habe, verbringe ich heute meine Ferien vorwiegend in der näheren Umgebung. Graubünden hat eine unglaubliche Vielfalt zu bieten und ich liebe es, mit einem mittelgrossen Rucksack bepackt aufs Mountainbike zu steigen und einfach ein paar Tage von Tal zu Tal, über Pässe und Berge zu fahren. Oder zu Fuss Richtung Italien zu wandern. Einen engen Bezug habe ich auch zur Region Lago di Como, wo zwei Stunden von Chur entfernt eine völlig andere Welt wartet und ich schon als Kind einen Grossteil meiner Ferien auf dem Campingplatz verbringen durfte.

Für die Ferienkampagne von myblueplanet habe ich einen Vorschlag für klimaschonende Ferien in der Bergwelt Graubündens ausgearbeitet – natürlich komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Selber achte ich je länger je mehr auch darauf, was für Produkte ich konsumiere. Das ist nicht immer einfach; meiner Meinung nach wäre ein glaubwürdiges Klimalabel für Nahrungsmittel längst überfällig (je nach Produktionsmethode und Lagerung können ja auch lokale Produkte alles andere als klimafreundlich sein). Da sowohl die Wirtschaft als auch die Politik es verpassen, das Ruder Richtung «Vernunft» herumzureissen, müssen wir uns individuell bewusst werden, dass ein Verzicht auf Konsum auch Luxus bedeuten kann, denn: Dadurch haben wir automatisch mehr Zeit zur Verfügung – und Zeit ist noch immer der grösste Luxus.

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