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Nadine & Cédric - Bio-Weinbauern am Rheinfall

Kategorien: Portraits
Regina Hubschmied, 27.04.2016
Portrait Nadine und Cédric Besson-Strasser, Winzerkeller, Uhwiesen

Keine Chemie, keine synthetischen Hilfsmittel, keinerlei Zusätze beim Keltern des Weins. Von der Rebe bis zu Flasche wird jeder Schritt selber ausgeführt – von den Arbeiten im Weinberg über das Pressen der Trauben bis zum Abfüllen des Weins. Die gelernte Önologin Nadine hat ihren Vater früh verloren. Er starb mit 58 Jahren an Krebs. «Krebs ist eine unter Winzern leider weit verbreitete Krankheit. Aus meiner Sicht ist das ein Resultat des Jahrelangen unbedarften Umgangs mit chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln, die im Rebbau gang und gäbe waren und teilweise noch sind.» sagt Nadine.

Dies und auch der Wunsch, ein wirkliches Naturprodukt herzustellen, bestärkten Nadine und ihren Partner Cédric im Entscheid, das Weingut komplett auf biodynamischen Weinbau umzustellen. Als erste Weinbauern der Region haben sie ihren Betrieb seit 2004 sukzessiv umgestellt und 2013 das Demeter Gütesiegel erhalten.Heute können sie die Früchte dieser Arbeit in ihrem Wein erkennen. Sie produzieren Weine, die einem Burgunder ebenbürtig sind. Der Verzicht auf jegliche Hilfsmittel – auch auf natürliche Zusätze wie Zucker – wirkt sich in der Reifung positiv aus. Scheint der junge Wein noch leicht säuerlich, so ist genau das die wichtige Grundlage für einen 4-5 Jahre dauernder Veränderungsprozess, der hervorragenden Wein entstehen lässt. Ein Qualitätsprodukt, auf welches sich vorallem Gastronomen verlassen. Die Produktion von ungezuckerten Weinen ist leider die Minderheit. Heute ist rund 80% des weltweit produzierten Weins gezuckert. Dies deshalb, weil er dem Gaumen bei der Degustation schmeichelt. So manipulierter Wein enthält dann auch mehr Sauerstoff und altert deshalb auch schneller. Solcher Wein sollte nicht länger aufbewahrt werden. «Wir produzieren unseren Wein nicht für den morgigen Gebrauch sondern für den Genuss in ein paar Jahren.» 

«Des Vins Vivants»

Die Qualität eines naturbelassenen Weins zeigt sich in seiner Seele. Isabelle Legeron, Fahnenträgerin für naturbelassenen und damit biodynamischen Wein und eine der 50 einflussreichsten Frauen im Weingeschäft, beschreibt die Seele solchen Weins mit «Umami» oder «den Mund wässrig machen» oder in Französisch «je ne sais quoi» das macht, dass man mehr davon will. Der biologisch-dynamische Weinbau, der auf Ganzheitlichkeit setzt, wird dem Boden, dem Rebstock und dem Endprodukt gerecht und fördert die Qualität aller Elemente.Cédric und Nadine beobachten das Wetter, die Entwicklung der Vegetation und die Konstellation der Sterne. Die Elemente bestimmen mit, wann welche Arbeit im Rebberg gemacht wird. Um dem Boden den Impuls zu geben, etwas mehr von seinem Kalk zu wecken werden zum Beispiel an 3 Tagen vor Ostern Kuhfladenpräparate im Boden eingebracht. Die Reben werden mit Infusionen von Brennnesseln-, Weiden oder Kamillentee besprüht statt mit Unkrautvernichtungsmittel, künstlichen Düngemitteln und synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Der Rebschnitt, das Anbinden, die Regulierung des obersten Drittels der Rebe und die Laubarbeiten sowie die Lese erfolgen komplett in Handarbeit. So kann absolut präzis gearbeitet werden. Maschinen werden bei der Arbeit an der Rebe keine mehr eingesetzt.

«Wir arbeiten mit der Natur, mit dem Rohmaterial Traube, das wir pflegen und mit Hilfe der Natur veredeln.» 

Der Boden wird im Winter aufgebrochen und im Frühling werden die liegengelassenen Schollen verkleinert, so dass der Regen die darin enthaltenen Nährstoffe freisetzt und zu den Wurzeln der Rebstöcke führen kann. Weitere Nährstoffe, die die Reben brauchen, liefern die «Unkraut» Pflanzen im Rebberg. Löwenzahn, Klee und viele Blumen verzaubern den Rebberg für’s Auge und arbeiten in der Tiefe. Nebst ihrer Aufgabe als Nährstofflieferanten halten die Pflanzen den Boden am Hang zusammen. Damit wird nicht nur auf umweltschonende Art hochwertiges Traubengut produziert, sondern zudem seltene Tier- und Pflanzenarten gefördert und die Bodenfruchtbarkeit verbessert. Denn die Diversität von Kultur- und Wildpflanzen sowie Kleinstlebewesen bereichert das Bodenleben und macht den Boden zu einem lebendigen Organismus. Ein wichtiger Aspekt, der sich im Wein als „Geschmack des Terroirs“ ausprägt. Dazu gehört auch das Ausgleichen von klimatischer Schwankungen bereits im Rebberg, um trotz starker klimatischer Unterschiede gleichbleibende Qualitätsweine zu produzieren.

Pioniere im biodynamischen Weinbau

Natürlich braucht die Rebe ein paar Jahre Zeit bis sie sich umgestellt hat und genauso braucht der Weinbauer Zeit um sein Denken umzustellen. Plötzlich wird er abhängig vom Wetter und das ist schwierig. Die jahrelange Erfahrung, welche sich Nadine und Cédric Besson-Strasser durch die Umstellung auf den biodynamischen Weinbau gesammelt haben und die es ihnen erlaubte, ihre gesamte Weinproduktion von 6 ha durch Demeter zertifizieren zu lassen, ist gefragt. Immer öfter werden ihre Erfahrungen und Kenntnisse von Kollegen, kantonalen und staatlichen Stellen angefragt. «Wir haben jetzt 10 Jahre Erfahrung und produzieren seit 7 Jahren Top-Qualität. » meint Cédric. Natürlicher als der Weinbau nach Demeter geht nicht. 2015 wurden Nadine und Cédric von Isabelle Legeron eingeladen, ihren Wein an der RAW Messe in London und Berlin vorzustellen. Die Einladung an diese Messe ist eine grosse Bestätigung, kann die Teilnahme doch nur durch Einladung erfolgen.

Nadine & Cédric Besson-Strasser, Winzerkeller Strasser, Uhwiesen am Rheinfall

Offene Weinkeller 2016 - Degustationen zu welchen alle herzlich eingeladen sind - 30. April und 1. Mai

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