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Simon Hungerbühler: «Mein Klimatipp für die WM? Selbst kicken, nicht nur zuschauen»

Kategorien: Portraits
Anne Nuria Boekhout, 12.06.2014

Simon Hungerbühler ist Germanist und Theaterwissenschaftler. Nach 15 Jahren im Journalismus, unter anderem als Blattmacher beim Landboten, ist er heute selbstständiger Kulturvermittler und Kommunikator. Als Aktionsleiter bei myblueplanet sorgt er dafür, dass sich die Winterthurerinnen und Winterthurer am «Switching Day» für erneuerbare Energien entscheiden - und ganz nebenbei das innovative Konzept zum Vorbild für Veranstaltungen in der ganzen Schweiz wird. 

Wie kamst dazu, dich bei myblueplanet zu engagieren? 

Zu myblueplanet habe ich durch meine ehemalige Arbeitskollegin beim Winterthurer Landboten, Karin Landolt, gefunden. Zusammen mit Daniel Lüscher hat sie das Projekt "Switching day" initiiert und konzipiert, konnte aber die Arbeiten nach einem Stellenwechsel aus Auslastungsgründen nicht mehr weiterführen. Ich meinerseits hatte gerade meine Anstellung bei der Zeitung gekündigt und hatte freie Kapazität. Karin dachte wohl, das sei ein "perfect match" und hat mich empfohlen.

Wie setzt du dich privat für den Klimaschutz ein? 

Zum einen durch meine vielen kleinen Taten: Beim Einkauf bevorzuge ich regionale Produkte, die keine weiten Transporte hinter sich haben. Oder wenn ich unterwegs bin, fahre ich nach Möglichkeit mit dem Fahrrad hin. Zum anderen natürlich finanziell: Seit ich über mein eigenes Taschengeld verfügen kann, unterstütze ich beispielsweise Umweltorganisationen wie den WWF oder Greenpeace. Für myblueplanet wiederum arbeite ich zu einem Tarif, den ich mir als Selbstständigerwerbender eigentlich nicht leisten kann. Und nicht zuletzt beziehe und zahle ich seit langem Goldstrom bei Stadtwerk Winterthur. 

Was erhoffst du Dir für die Aktion «Switching Day», an der du derzeit arbeitest? 

Das Ziel ist, dass wir mit der Aktion möglichst viele, unterschiedliche Menschen erreichen. Wir wollen auch jenen Leuten, die nicht seit Jahren links und grün denken und handeln, bewusst machen, dass sie einen enormen Einfluss darauf haben, ob es zu einer Stromlücke kommt, ob wir die Energiewende schaffen und ob wir den Ausstoss an klimaschädlichen Gasen reduzieren. Es ist jeder einzelne, der selbst wählt, wie und vor allem welchen Strom er verbraucht.

Hast Du einen besondere Programmempfehlung für den Tag? 

Das Programm ist sehr abwechslungsreich und bietet hoffentlich für jeden Geschmack etwas. Favoriten hab ich mehrere. Sehr interessant wird sicher der Abschluss der Projektwoche zum Thema Energie an der Oberstufenschule Rychenberg. Ich bin begierig zu erfahren, welche Erkenntnisse die Schülerinnen und Schüler zum weit gefassten Thema gemacht haben. Ganz besonders gespannt bin ich aber auch auf den Sonnenaufgangsbrunch im Roten Turm - das stelle ich mir herrlich vor, wie die Sonne die Dächer meiner Stadt mit ihrer Energie überschüttet und mit wunderbar warmem rötlichen Licht bestrahlt.

Was müsste aus deiner Sicht auf internationaler Ebene für den Klimaschutz dringend passieren? 

Meiner Ansicht nach finden wirtschaftlicher Wettbewerb und Klimaschutz nie von alleine so nah zueinander, dass sich die selbst verschuldeten ökologischen Probleme auf diesem Planeten in der knappen verbleibenden Zeit lösen liessen. Es braucht international verordnete, strenge Leitlinien - und innerhalb dieser Leitlinien vollen Wettbewerb.

Und was sollte in deiner Stadt, Winterthur, passieren? 

Alles beginnt beim einzelnen. Für Winterthur wünsche ich mir eine Bevölkerung, die sich weniger fürs Billigste interessiert, sondern fürs Beste. Menschen, die weniger am Alten festhalten, sondern sich mutig an Neues heranwagen. Warum verbrauchen wir Zeit und Kraft, um uns über Parkplätze zu streiten? Sehen wir lieber, welche Lebensqualität und Prosperität uns eine autofreie Innenstadt gebracht haben. Davon beispielsweise könnten wir mehr haben.

Zuguterletzt: Klimaschutz und Fussball - was ist dein Klimatipp für die WM? 

Machen, nicht zuschauen. Mein Tipp also: Fernseher ausschalten, mit dem Rad auf den Fussballplatz fahren und dort mit Freunden eine nette Runde kicken.

 

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