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Unterwegs zur 2000-Watt-Gesellschaft

Kategorien: Klimawissen
Anne Nuria Boekhout, 09.07.2014

So wie wir heute leben, verbrauchen wir zu viel Energie. Mit der Kampagne «Wir leben 2000 Watt» machen die Städte Winterthur, St. Gallen, Schaffhausen, Arbon und Gossau zusammen mit weiteren Städten in Deutschland und Österreich auf eine einfache Idee aufmerksam: Gut leben geht auch mit weniger Energie. Ein Interview zur Kampagne mit Franziska Rosenmund, Verantwortliche für Kommunikation bei Umwelt- und Gesundheitsschutz Stadt Winterthur. 

Was und wer steckt hinter «Wir leben 2000 Watt«? 
Hinter der Kampagne stehen zehn Städte, die das gemeinsame Ziel haben, in der Dreiländerregion Bodensee die 2000-Watt-Gesellschaft voranzutreiben. Die durch das EU-Regionalprogramm «Interreg» geförderte Informationskampagne «Wir leben 2000 Watt» wurde im Herbst 2013 gestartet und will die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass die 2000-Watt-Gesellschaft im Alltag jedes einzelnen beginnt und, dass ein energiebewusster Lebensstil notwendig und möglich ist.
 
Wie bringt die Kampagne diese Botschaft unter die Leute?
Da gibt es die Infobroschüre, welche das Modell der 2000-Watt-Gesellschaft auf kurzweilige Art erklärt und konkrete Tipps für ein 2000-Watt-Leben gibt, sowie die Internetplattform http://www.wirleben2000watt.com. Zudem gehen die Städte mit verschiedenen unterhaltsamen Aktionen direkt auf die Menschen zu: Ein Infostand mit Saisonkalenderspiel zeigt den Besucherinnen auf, was 2000-Watt-Gesellschaft mit Ernährung zu tun hat; das Puppentheater «König Sausbraus gibt Gas» weckt in Kindergärten und Schulen das Energie-Bewusstsein der Konsumenten vom morgen und im Rahmen eines Aktionstages am 5. Juni boten Grossküchen, Mensen, Kantinen und private Gastronomiebetriebe ihren Gästen energiesparende Gerichte an. Schliesslich sollen die anschaulichen Kampagnen-Plakate die Menschen in den Innenstädten zum Stillstehen und Nachdenken anregen.
 
Auf dem Kampagnenkalender der Agenda der Kampagnen-Website  stehen Veranstaltungen wie ein «Flicktag» oder ein «Foodsharing-Abend». Was hat das genau mit einem niedrigeren Energieverbrauch zu tun? 
In jedem Produkt, das wir konsumieren steckt Energie – ein T-Shirt kann vom Baumwollanbau bis zur Verarbeitung gut und gern mal  25‘000 Kilometer rund um die Welt zurückgelegt haben bevor es bei uns im Ladenregal liegt. Dinge zu reparieren, zu tauschen oder auszuleihen statt sie einfach wegzuschmeissen oder neu zu kaufen, trägt daher erheblich zum Energiesparen bei. Herstellung, Transport und Lagerung von Lebensmitteln sind ebenfalls sehr energieintensiv – werden noch geniessbare Lebensmittel dann auch noch einfach weggeworfen, ist der Ressourcenverschleiss enorm. Initiativen wie «Food-Sharing» treten der Lebensmittelverschwendung entgegen, indem von Restaurants, Läden oder Privathaushalten ausrangierte, noch geniessbare Lebensmittel eingesammelt und zur Verfügung gestellt werden.
 
Wieviel Energie verbrauchen wir denn in der Schweiz derzeit durchschnittlich? 
Der Energieverbrauch ist auch im vergangenen Jahr wieder angestiegen (um 2.5% auf 896'000  Terajoule), besonders stark angestiegen ist 2013 der Stromverbrauch.
 
Ist denn ein erfülltes, glückliches Leben mit 2000 Watt derzeit überhaupt möglich? Wie sieht das in der Praxis aus? 
Der Umbau der heutigen über 6000-Watt-Gesellschaft zu einer der 2000-Watt-Gesellschaft bedeutet zwar, dass wir unseren Energieverbrauch um satte zwei Drittel reduzieren müssen - weniger Genuss und Lebensfreude bedeutet das aber keinesfalls, im Gegenteil: Ein ressourenschonender Lebensstil kann viel zur persönlichen Lebensqualität beitragen. Zum Beispiel lassen sich auf dem Markt, im Bus oder an einer Tauschbörse neue Kontakte schliessen; frisches, lokal angebautes Gemüse ist gesund und eine tiefere Heizkostenrechnung erfreulich. Weniger motorisierter Verkehr verhilft uns zu besserer Luft und weniger Strassenlärm.
 
Ihr Tipp: Wie kann man im Alltag am schnellsten Energie sparen? Was sind die grössten «Energiekiller?» 
Die grössten Energiekiller sind die drei Konsumbereiche Ernährung, Wohnen und Mobilität. Am einfachsten und schnellsten spart Energie,  wer regional und saisonal isst und beim Kauf von Produkten nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Energiebilanz achtet. In der Wohnung helfen simple Handgriffe wie das Ausschalten des Standby-Modus bei allen elektronischen Geräten  und das Runterdrehen der Heizung – nur schon ein Grad weniger spart viel Energie! Der Warmwasserverbrauch lässt sich mit einem Duschsparkopf halbieren und LED-Lampen verbrauchen fünf Mal weniger Strom als Glühbirnen. Mit cleverer Mobilität schliesslich, lässt sich besonders viel Energie sparen, indem man kurze Fahrten mit dem Velo oder zu Fuss macht, sein Auto teilt und möglichst wenig mit dem Flugzeug in die Ferien fliegt.
 
Mehr Infos: ww.wirleben2000watt.com. Eine Broschüre zur Kampagne ist kostenlos erhältlich bei Umwelt- und Gesundheitsschutz Stadt Winterthur: sekretariat.ugs_at_win.ch

 

 

 

 

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