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Zeit und Freude schenken

Kategorien: Klimawissen
Anne Nuria Boekhout, 30.11.2014

Alle Jahre wieder im Dezember sieht man sie wieder: Menschenmassen, die sich an den Adventswochenenden mit prall gefüllten Einkaufstüten durch die Innenstädte schieben. Für viele ist Weihnachten vor allem zu einem Fest der Verpflichtung und des Konsumieren-müssens geworden. Doch immer mehr Menschen wollen da nicht mehr mitmachen. Sie verzichten auf Weihnachtseinkäufe und schenken ihre Zeit oder besondere Erlebnisse statt materielle Dinge. Das tut nicht nur dem Herz gut, sondern auch dem Klima, denn es verbraucht kaum oder kein CO2. Zeit schenken - unser Dezemberthema. 

Zeit zu schenken passt zu dem Konzept des «neuen Minimalismus», das man immer öfter hört. Seine Anhänger und Anhängerinnen sind Menschen, die nur noch das konsumieren, was sie unbedingt zum Leben brauchen. Nicht, weil sie finanziell schlecht dastehen, sondern weil sie sich damit glücklicher und freier fühlen. Einige besitzen nur noch 100 Gegenstände, andere geben Tipps, wie man aus Zitronensaft Bad-Reiniger oder aus Eicheln Kaffee herstellt. Und wieder andere bauen ihr Gemüse im Gemeinschaftsgärtchen selbst an. Natürlich leben viele von uns in der Stadt, und sind auf den Supermarkt angewiesen. Doch eine Inspiration sind die neuen Minimalisten schon. Denn sie zeigen uns, dass man auch, oder gerade, mit weniger Konsum glücklich sein kann. Gerade die Weihnachtszeit mit der Tradition des Schenkens gibt uns viele Möglichkeiten, das zu erleben. 

Die Minimalismus-Idee ist eine Alternative zu unserer Überflussgesellschaft, die auch «Suffizienz» genannt wird. Eine alte Idee, die in den letzten Jahren wieder verstärkt diskutiert wird. Einerseits hat der Anstieg der Öl- und Ressourcenpreise die Konsumfrage wieder in den Mittelpunkt gezerrt. Zudem sind Zweifel über sogenannte «grüne Technologien» entstanden. Denn trotz Ausbauerfolgen bei den erneuerbaren Energien ist der Energiebedarf nicht gesunken, stieg sogar im vergangenen Jahr um 2,5%. Suffizienz als achtsamer Umgang mit Ressourcen kann nun dazu beitragen, Energie- und Klimaziele trotzdem zu erreichen. 

Auch beim Zeit schenken geht es um einen achtsamen Umgang mit fossilen Energieträgern und Ressourcen. Denn anders als bei Dingen, die erst hergestellt werden müssen, verbraucht «Zeit» wenig oder kaum CO2. Dafür kann Zeit viel mehr als materielle Geschenke das Bedürfnis nach Anerkennung und menschlicher Nähe erfüllen, denn man lernt sich besser kennen, erlebt Glücksmomente, die zusammenschweissen. Natürlich kommt es auch darauf an, wie man die Zeit zusammen verbringt. Ein gemeinsamer Helikopterflug oder eine Reise nach Übersee müssen es ja nicht sein. Es gibt so viele andere Möglichkeiten, wie «Zeit» andere und einen selbst sehr glücklich machen kann, ohne dass viel CO2 verbraucht wird. Zum Beispiel als Vorlesestunde, Nachhilfeunterricht oder Kinderhüten. Oder als Museums-Jahreskarte, Restaurantgutschein oder Tanzkurs... Wer wird sich von solchen Geschenken nicht überrascht und besonders geschätzt fühlen, und sich noch lange an den Schenker oder die Schenkerin erinnern? Und das Schöne ist: Wer mit besonderer Zeit beschenkt wird, schenkt auch gerne seine Zeit und Zuwendung zurück - es ist wie mit einem Lächeln. 

myblueplanet empfiehlt:

• Zeit statt Zeug schenken: gemeinsame Zeit und Aufmerksamkeit bedeuten geteilte Freude.
• Die gemeinsame Ski- oder Wandertour in der Region freut das Klima besonders.
• Der geschenkte Kochkurs darf gern vegetarisch und regional sein.

Weitere Inspirationen für klimafreundliche Geschenkideen gibt's hier oder hier. Willst du zudem deine wertvolle Zeit dem Klima schenken, dann mach mit bei unserer 50-Stunden-Aktion und clicke hier

 

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