Meine Portugalreise mit dem Zug

Vor einigen Jahren habe ich diese Reise bereits einmal gemacht, mein Mann Rui flog damals über meinem Kopf von Zürich nach Portugal. Dieses Mal hat Rui mitgespielt: Wir fahren mit dem Zug nach Portugal! Wir verlassen unser schläfriges Dorf Pfungen ZH im Morgengrauen leicht bepackt. Von Zürich nach Paris läuft es rund im TGV, wenn auch ein wenig langsam. Eine Sache, die ich am Zugfahren besonders liebe, ist die sich ständig verändernde Landschaft. Goldene Heuballen liegen wunderschön in gelben Feldern. Als wir uns Dijon nähern, entdecken wir sogar Störche auf der Suche nach Getreideresten. Kurz vor Paris zieht der Zug dann am Schluss noch das Tempo an.

In Paris kommen wir im Gare de Lyon an und müssen weiter zum Gare Montparnasse. Mein Mann ist nervös, denn dafür bleiben uns nur 50 Minuten. Alles ist ein bisschen chaotisch, es gibt keine Beschilderung am Eingang zur Metro und den Schalter für den Ticketkauf finden wir auch nicht. Leicht panisch entscheidet Rui, dass wir ein Taxi nehmen sollten. Das tun wir dann endlich auch, wenn auch leicht frustriert. Das Taxi braucht 20 Minuten und kriecht von roter Ampel zu roter Ampel. Autos sind definitiv nicht die effiziente Verkehrslösung für die französische Hauptstadt.

Von Paris bis Saint-Jean-de-Luz in Frankreich freuen sich unsere unteren Rücken über die bequemen Sitze in der Ersten Klasse (Ich muss meinen Mann ja bei Laune halten während dieser langen Zugreisen). Wir lesen unsere Monocle und Friese Magazine, während sich draussen die Landschaft schon wieder langsam wandelt. Ich erspähe einige wunderschöne Schlösser und Dörfer auf den Hügeln. Wir erreichen das Departement Landes mit seinen unendlichen Kieferwäldern. Wir amüsieren uns, als eine fünfköpfige amerikanische Familie mit drei grossen Koffern, zwei riesigen Reisetaschen und einem Kinderwagen einsteigt. Zusätzlich hatte jedes Familienmitglied noch einen Rucksack auf dem Rücken. Glücklicherweise wurde ihnen von ihrem Taxifahrer geholfen. Auch beim Aussteigen in Biarritz, ihrer Endhaltestelle wurde ihnen im gleichen Masse geholfen. Ab dann haben wir auch endlich das blaue und türkise Meer sehen können – eine willkommene Abwechslung.

Als wir Saint-Jean-de-Luz in den grünen Hügeln des Pays Basque erreichen, verlassen wir den Zug, stellen unser Gepäck im Hotel ab und gehen sofort eine Runde im Meer schwimmen. Das Wasser ist perfekt. Es gibt kaum etwas schöneres als das erste Glas Wein zur Vorspeise am ersten Abend. Der Urlaub hat offiziell begonnen. Wir geniessen Saint-Jean-de-Luz mit seinen roten und weissen Häusern, den Meeresfrüchten und dem Strand am nächsten Tag. Am Abend packen wir zusammen und ziehen los nach Hendaye, wo unser Zug auf uns wartet.

Das Tolle an Nachtzügen ist nicht, dass man in ihnen schlafen kann (Ich schlafe eher schlecht in solchen Zügen), sondern die Leute, die man trifft. Ich teile mir ein 4-Bett-Abteil mit Justine aus Lille und Sarah aus Frankfurt. Justine wird Fatima besuchen und dann von Porto nach Santiago de Compostela pilgern. Ihr Rucksack wiegt über 10kg, ich bin mir sicher sie wird einiges davon unterwegs zurücklassen. Sarah will einfach nur Porto anschauen. Wir haben Spass daran, die spanische Landschaft dabei zu beobachten, wie sie goldener und trockener wird bevor wir ins Bett gehen. Rui teilt sein Abteil mit einem netten Studenten aus Schweden, der in die Duoro Region reist.

Wir kommen um 5:30 in Pombal, Portugal an. Es ist dunkel und die Stadt schläft noch. Kein einziges Café hat offen. Nach eine halben Stunde lesen, gehen wir auf die Suche nach einer Bäckerei und entdecken endliche den feinen Geruch von frischem Brot. Ich nehme ein «Bola de Berlin», was für ein Schmaus! Zurück am Bahnhof, an dem uns Ruis Bruder um 7 abholen wird, öffnet dann auch das kleine Café endlich. So beginnt der Portugalurlaub nun offiziell mit einem Esspresso, «Bica» genannt, und dem feinen Gebäck «Pastel del Nata», dass mit einem Hauch von Zimt gegessen wird. Ausserdem bestelle ich eine kleine Flasche Birnensaft, meiner Lieblingssorte.

Nach zwei wundervollen Wochen Urlaub bei Freunden und Familie in Leiria und der wunderschönen kleinen Stadt Ponte de Lima nehmen wir den Zug zurück. Dieses Mal fahren wir in einer Luxus-Kabine für zwei mit einem eigenen Bad mit Dusche. Und ja, ich habe meine Morgendusche im Zug sehr genossen. Wir halten in San Sebastian auf der spanischen Seite des Pays Basque, in dem wir die amerikanischen Hobbyfotografin Vivian Meier entdecken und über ein Jazz-Festival stolpern. Am morgen geht es gleich früh weiter nach Hendaye und zu unserem TGV nach Paris. Weil wir ein bisschen Aufenthalt in Paris haben, verwöhnen wir uns mit einem Besuch im «Le Train Bleu», einem schönen Restaurant aus dem 19. Jahrhundert, dessen Reise-Fresken zum weiterreisen inspirieren. Der letzte Abschnitt von Paris nach Zürich wird zunehmend nasser und nasser, ein Umstand, der uns auf das baldige Ende unseres Urlaubs und Zugabenteuers hinweist.

Was mir an dieser Zugreise besonders gefallen hat sind die Zwischenstationen, die Leute, die wir getroffen haben, die vorbeiziehenden Landschaften und die Freiheit aufzustehen, sich zu bewegen oder zu lesen wann man möchte. Leider sind die Kosten für das Zugreisen immer noch ein Problem, wenn man diese mit dem Fliegen oder dem Auto vergleicht. Für mich ist klar: Die Kosten des jeweiligen CO2-Ausstosses müssten sich dringend endlich in den Preisen für die verschieden Transportmöglichkeiten niederschlagen.

 

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