Wie nachhaltig sind Wintersportferien in der Schweiz?

Januar – die Bäuche sind noch voll vom «Guetzli»-Naschen über die ganze Adventszeit hinweg. Als guten Vorsatz und um die Weihnachtspfunde wieder loszuwerden, verbringen viele Schweizerinnen und Schweizer die Wintermonate gerne im Schnee. Auch viele ausländische Touristen wählen die Schweiz als Wintersportdestination jeden Winter. Denn in den Bergen lässt sich Sport an frischer Luft perfekt mit der Nähe zur Natur verbinden. Wie aber wirkt sich das auf das Klima aus?

Der Wintersporttourimus in der Schweiz boomt: Schweizer Touristen gleichermassen wie Wintersportlerinnen und Wintersportler aus aller Welt zieht es auf die insgesamt über 7000 Kilometer langen Skipisten, was in etwa der Strecke Bern – Neu-Delhi entspricht. Gemäss dem Bundesamt für Statistik verzeichnete die Schweiz in der touristischen Wintersaison von November 2018 bis April 2019 ein Rekordhoch von total 16,7 Millionen Übernachtungen. Die Anzahl der Übernachtungen von ausländischen Touristen stieg um 1% auf 8,8 Millionen an. Und auch die Zahl Schweizer Übernachtungsgäste stieg leicht um 0.4% auf 7,9 Millionen an.

Aber nicht alle Wintersportlerinnen und Wintersportler bleiben über Nacht in den Skigebieten. Viele kommen auch nur für einen Tag im Schnee. Als «Skier-day» definiert man den Tagesbesuch einer Person zum Ski-, Snowboardfahren oder Ausüben eines ähnlichen Wintersports, in einem Wintersportgebiet. «Seilbahnen Schweiz» führt in ihrer Saisonbilanz für die Wintersaison 2018/2019 ein total von 24,9 Millionen Skier-days auf. Dies ist ein Wachstum von 6,2 Prozent im Vergleich zur Vorsaison. Das zeigt, immer mehr Menschen zieht es in die Schweizer Wintersportgebiete.

Vielen Wintersportlerinnen und -sportlern fehlt es allerdings am Bewusstsein, welche Klima- und Umweltschäden der Schneesport mit sich bringt. Der Bau neuer Pisten und Seilbahnen setzt Waldrodungen voraus, was zu einer erhöhten Lawinen- und Erosionsgefahr führen kann. Der Lebensraum von Tieren wird durch die vielen Skigebiete immer mehr zerstört und eingeschränkt. Ausserdem verbrauchen Skilifte, Schneekanonen und Hotelanlagen schlichtweg zu viel Energie und Ressourcen. Damit hinterlässt der Wintersport einen riesigen CO2-Fussabdruck in der Schweizer Bergwelt und das obwohl gerade er stark unter den Folgen des Klimawandels leiden wird und es jetzt auch schon tut.

Die Grösse des CO2-Fussabdruckes in den Wintersportferien ist von diesen Faktoren abhängig:

  • Verkehrsmittel für die Anreise
  • Dauer der Ferien
  • Art und Ausstattung der Skiregion und der Unterkunft
  • Temperatur und damit Energiebedarf für die Pistenpräparierung

Schneesportler/innen produzieren bei der An- und Abreise in die Berge den grössten Teil des CO2-Ausstosses des gesamten Skiurlaubs. Die Mobilität verursacht 70 – 80 Prozent des CO2-Ausstosses von Skiferien. Das erscheint logisch, denn von den circa 40 Millionen Schnee-Touristen reisen lediglich fünf Prozent mit der Bahn ins Skigebiet.

Doch ohne richtigen Klimaschutz in den Schneeregionen wird bald kein Wintersport mehr möglich sein. Durch die Klimaerwärmung werden die Winter milder, wir kämpfen mit weniger Schneefall und unsere Gletscher schmelzen, um nur einige Beispiele zu nennen.

So kannst du deine Wintersportferien nachhaltiger gestalten:

  • Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Wintersportgebiet reisen.
  • In Unterkünften übernachten, die sich für den Klimaschutz einsetzen (bspw. Schweizer Jugendherbergen). Die Umweltverträglichkeit der Einkäufe (Regionalität), und eine Einsparung von Wasser, Abfall und Energie sind dabei ausschlaggebend. Ibex fairstay ist das Schweizer Label für Nachhaltigkeit in der Beherbergungsbranche und zeichnet klimafreundliche Unterkünfte aus.
  • Ein möglichst nachhaltiges Schneesportgebiet wählen. Hier ein paar Beispiele:

Flims Laax Falera
Diese Bündner Wintersportregion hat grosse Pläne. Sie möchte als weltweit erstes Skigebiet selbstversorgend werden und den ganzen Energiebedarf durch erneuerbare Energien abdecken. Zurzeit beziehen sie ihren Strom aus CO2-neutralen Quellen und alle seit 2011 gebauten Bahnanlagen sind mit Photovoltaik ausgestattet. Um bereits heute etwas für die Nachhaltigkeit zu tun, kann von den E-Mobilitätsangeboten Gebrauch gemacht werden. Sie bieten Ladeplätze für Elektroautos, E-Bikes und die Möglichkeit, auf den Laax E-Shuttle auszuweichen, der mit 100 Prozent erneuerbarer Wasser- und Sonnenenergie fährt. Zum Erhalt der Flora und Fauna hat die Region Flims Laax Falera Schutzzonen für regionale Tiere und Pflanzen errichtet.

Arosa Lenzerheide
Auch diesem Skigebiet sind die erheblichen Emissionen bei der An- und Abreise im Privatverkehr bewusst. Deswegen dürfen Gäste mit gültigem Schneesportpass von Arosa Lenzerheide das Postauto und die Rhätische Bahn (2. Klasse) im Raum Arosa – Chur – Lenzerheide – Tiefencastel kostenlos nutzen. Elektroautos tanken an ihren Ladestation ebenfalls kostenfrei. Um den Energieverbrauch zu reduzieren, steuern sich ihre Sesselbahnen je nach Anzahl der Gäste in ihrer Geschwindigkeit. Sprich, wenn die Geschwindigkeit um 10 Prozent verkleinert wird, dann sparen sie auch 10 Prozent Energie ein. Ihre Photovoltaik-Anlagen zweier Sesselbahnen produzieren sogar den Strom für 16 Wohnhäuser. Die Gastronomiebetriebe achten auf korrektes Entsorgen und der am Berg entstandene Abfall wird gesammelt und entsorgt.

Saas-Fee
Seit 1951 verkehrsfrei zu sein, das kann Saas-Fee stolz von sich behaupten. Diese Winterregion ist das Paradebeispiel schlechthin, dass Wintersportferien auch durchaus ohne Auto möglich sind. Mit ihrem E-Shuttlebus setzen sie auf Nachhaltigkeit und Komfort für die Wintergäste. In Zusammenarbeit mit myclimate «Cause We Care» können Gäste beim Kauf der Saisonkarte mit einem Beitrag von CHF 2.- freiwillig Klimaprojekte mitfinanzieren. Die Saastal-Bergbahnen verdoppeln jeweils die Spende.

I AM PRO SNOW

Alle dieser drei Skigebiete sind Teil der Kampagne «I AM PRO SNOW – 100 % COMMITTED» von myblueplanet. Die Kampagne beschäftigt sich mit dem Erhalt des Schneesports und der schneereichen Winter in der Schweiz und setzt sich zum Ziel, dank der Zusammenarbeit mit Wintersportgebieten, Winterathletinnen und -athleten sowie Unternehmen, in der Bergwelt bis 2030 bei ihrer Stromversorgung komplett auf fossile Energien zu verzichten und rein erneuerbare Ressourcen zu nutzen. Auch die Schweizer Jugendherbergen haben sich im Rahmen der Kampagne verpflichtet und gehen bereits als gutes Beispiel voran: Sämtlichen Strom beziehen sie heute schon aus der Wasserkraft.

I AM PRO SNOW