CO2 – die neue Währung der schweizerischen Energie- und Klimapolitik

Wenn es darum geht, die Auswirkungen des Klimawandels quantitativ zu erfassen, ist der Ausstoss von Treibhausgasen respektive von Kohlenstoffdioxid (C02) die relevante Grösse. Damit kann unser tägliches Handeln beim Wohnen, bei der Arbeit, beim Konsum, bei der Mobilität, etc. messbar gemacht werden und wir haben ein vergleichbar einfaches Monitoringsystem zur Hand.

Was genau ist eigentlich der Treibhauseffekt?

Der Treibhauseffekt ist ein natürlicher Prozess, der die Temperatur auf der Erde massgeblich bestimmt und welcher über viele Jahrhunderte relativ stabil war. Seit der Industrialisierung steigt jedoch das Vorkommen langlebiger und menschgemachter Treibhausgase drastisch an und führt zu einer unerwünschten Temperaturerhöhung. Dies hat schwerwiegende Folgen für unser Leben auf dem blauen Planeten. Die bekanntesten Treibhausgase sind Kohlenstoffdioxid (CO₂), Methan und Lachgas; zur Vereinfachung werden alle Gase einheitlich auf CO2-Äquivalent zusammengefasst. Ein Flug nach New York, die Produktion einer Tonne Zement oder die Herstellung von 100 kg Bündnerfleisch verursacht also eine bestimmte Menge an CO2eq.

Klimapolitik ist Energiepolitik

Energie ist die entscheidende Grösse in der Diskussion zur Begrenzung der negativen Auswirkungen des Klimawandels. Die Produktion von Gütern, die Erbringung von Dienstleistungen (z.B. der Handel mit Kryptowährungen), die Mobilität: Alles braucht (erneuerbare) Energie. Selbst die Produktion von Elektrizität aus Photovoltaik oder Wasserstoff verschlingt graue Energie. Deshalb hat der effiziente und sparsame Umgang mit der Energie höchste Priorität und wir alle können tagtäglich etwas dazu beitragen.

 

Die Schweiz wird elektrisch

Bereits in wenigen Jahren werden Öl- und Gasheizungen im Gebäudebereich verschwunden sein. In vielen Fällen werden sie durch elektrische Wärmepumpen ersetzt. Auch der Absatz von Elektroautos nimmt rasant zu. Einzelne Autohersteller wollen bis in zehn Jahren keine fossil betriebenen Fahrzeuge mehr herstellen. Und klar: Auch der Nachtzug nach Lissabon fährt nicht ohne Energie.

Die Digitalisierung auf allen Ebenen macht rasante Fortschritte, aber jeder Tastendruck verbraucht Energie – und zwar nicht wenig. Daher ist klar: Unsere Gesellschaft wird elektrisch und das bedeutet, dass wir erneuerbare elektrische Energie in grossen Mengen benötigen.

Auch du kannst viel bewirken

Den Klimawandel mit all seinen Auswirkungen im Detail zu verstehen, ist fast unmöglich. Aber deshalb musst du nicht abwarten und hoffen, dass die Politik, die Wirtschaft oder einfach die Anderen das Problem lösen. Jede und jeder von uns kann einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Du brauchst dazu auch nicht deinen ganzen Alltag umzukrempeln. Aludeckeli zu sammeln ist sicher nicht falsch, aber mit wenig Aufwand kannst du noch viel mehr bewirken. Ein paar Tipps gefällig?    

  • Wohnen: Rufe heute noch deinen Stromlieferanten an und bestelle 100% Solarstrom (das Beste bezüglich CO2-Emissionen), das kostet etwas mehr als das Standardprodukt, ist aber eine hochwirksame Massnahme ohne Komforteinschränkung für dich.
  • Mobilität: Wenn du bereits auf ein eigenes Fahrzeug verzichtest und bei Bedarf die verschiedenen Carsharing Angebote nutzt, kannst du noch einen Schritt weiter gehen und nur noch (leichte) elektrische Fahrzeuge mieten. Das reduziert die CO2-Emissionen aus dem Betrieb gewaltig.
  • Reisen: Eine gewisse Mobilität ist in unserem Alltag unumgänglich und keine Angst, du musst auch nicht komplett aufs Reisen verzichten, um das Klima zu schonen. Fliegen lässt sich nicht immer umgehen, aber Bahn und Bus sind natürlich viel besser für die Umwelt. Und falls Flüge ab den Schweizer Flughäfen bald mit einer CO2-Ticketabgabe versehen werden, wird das die Alternativen noch attraktiver machen. Da kannst du schon mal als Vorreiter*in vorangehen.

Netto-Null bis 2050

Die Energie- und Klimastrategie der offiziellen Schweiz formuliert das Ziel von Netto-Null bis 2050, die Klimajugend fordert dieses Ziel bis 2030. Fordern dürfen wir alle. Diese ambitionierten politischen Ziele zu erreichen, bedeutet aber nicht einfach hier ein paar Quadratmeter Photovoltaik, dort ein paar Elektroautos und etwas weniger Fleisch auf dem Teller. Es geht um eine gesamtheitliche und nicht ganz schmerzlose Neuorientierung der Gesellschaft nach den Zielen der Nachhaltigkeit (Gesellschaft, Ökonomie, Ökologie).

Wir dürfen und sollen Massnahmen von Politik und Wirtschaft fordern – aber dann sollten wir auch selbst einen Beitrag leisten. Mit dem WWF-Fussabdruckrechner kannst du deinen eigenen ökologischen Fussabdruck messen und herausfinden, wo du persönlich mit einer Veränderung den grössten Impact haben kannst. Am 13. Juni 2021 hast du zudem eine weitere Möglichkeit, dich für das Klima einzusetzen. Dann wird nämlich über das angepasste CO2-Gesetz abgestimmt.

Viel Spass beim Klimaschützen!

 

Ein Artikel von Andreas Baumgartner

 

Quellen: