Von Zuhause aus das Klima schützen

Wohnen gehört zu den ureigensten Bedürfnissen von uns Menschen. Verbunden damit sind jedoch unerwünschte Emissionen wie Treibhausgase, Abfälle und Lärm, die wir stark reduzieren oder gar eliminieren müssen. Mit dem Wissen, welche Faktoren im Bereich Wohnen das Klima am meisten belasten, hast du jedoch auch konkrete Handlungsmöglichkeiten, um etwas dagegen zu tun. Und das Gute daran: Viele Massnahmen sind praktisch kostenfrei!

Wohnen ist ein Grundbedürfnis

Wir alle brauchen ein Dach über dem Kopf. Die Ansprüche an eine Wohnung oder an ein Haus sind jedoch sehr unterschiedlich und immer abhängig von der aktuellen Lebenssituation. Als Jugendliche wohnen wir nach Möglichkeit sehr kostengünstig mitten in der Stadt in einer Wohngemeinschaft, als Familie träumen wir vielleicht vom komfortablen Einfamilienhaus oder der Ökosiedlung auf dem Land und im Alter kehren viele wieder gerne in die urbane Stadt zurück. Alle Wohnmodelle, inklusive der dazugehörenden Mobilität, verursachen unterschiedliche Emissionen. Doch die gute Nachricht ist: Die Bewohner:innen haben viele Möglichkeiten, ihren ökologischen Fussabdruck zu minimieren. 

Massive Emissionen im Bereich Wohnen

Eine Studie der ETH Zürich von 2019 (4) untersuchte die gesamten Pro-​Kopf-Emissionen von Personen für Wohnen, Mobilität und Ernährung in den Schweizer Haushalten. Das Resultat? Die 10 Prozent der Personen mit den höchsten Pro-Kopf-Emissionen belasten das Klima rund sechsmal mehr als die 10 Prozent mit dem geringsten Ausstoss. Das Einkommen spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Ins Gewicht fallen vor allem die Mobilität, das Wohnen und die Einstellung zu den Nachhaltigkeitsthemen.

32 % der schweizweiten Treibhausgasemissionen – insbesondre Kohlendioxid (CO2) – stammen aus dem Bereich Wohnen (inkl. Anteil Mobilität) (1). In der Schweiz zählen wir heute rund 3.8 Millionen Haushalte (2); und alle verbrauchen Energie zum Heizen, für das Warmwasser und all die elektrischen Geräte. Und eben auch für die Mobilität, um von A nach B zu gelangen.

In den letzten 40 Jahren hat der durchschnittliche Wohnflächenverbrauch um 35 % zugenommen und beträgt aktuell (2018) 46m2 pro Person (3). Mehr Wohnfläche bedeutet mehr Energieverbrauch und mehr Treibhausgasemissionen. Wesentliche Treiber für das Flächenwachstum sind die zunehmende Anzahl Kleinhaushalte sowie erhöhte Wohnansprüche.

Was bedeutet Effizienz und Suffizienz?

Der Begriff «Effizienz» wird umgangssprachlich viel verwendet: Ein Computer ist effizient, wenn er mit möglichst wenig Energie grosse Rechenleistungen erbringen kann, ein Gebäude ist effizient, wenn es möglichst wenig Energie für die Raumkonditionierung braucht, ein Mensch ist effizient, wenn er in kurzer Zeit viel zu leisten vermag. Suffizienz ist hingegen ein weniger geläufiger Begriff. Im Zusammenhang mit Wohnen meinen wir eine gewisse Genügsamkeit. Zum Beispiel, indem wir uns auf weniger Wohnfläche beschränken, mit einer Nasszelle anstelle von zwei auskommen oder mit einer gemeinsamen Waschküche im Haus anstelle von einem Waschturm in der eigenen Wohnung zufrieden sind. Wir waschen einmal in der Woche und nicht täglich und wir überlegen, ob der separate Weinkühler wirklich die Lebensqualität steigert. Das Spektrum und das CO2-Potenzial für Suffizienzmassnahmen ist riesig. Jeder von uns muss für sich entscheiden, was ihr/ihm wichtig ist.

Wo du am meisten bewirken kannst

Egal, ob du in einer Mietwohnung, einer Eigentumswohnung oder einem Einfamilienhaus wohnst: Überall hast du einen grossen Hebel, um mit wenigen Massnahmen deine eigene Klimabilanz zu verbessern.

Quelle: www.proclim.ch

Wenn du eine neue Wohnung beziehst oder neu einrichtetest, hast du viele weitere Möglichkeiten (5):

  • Bildschirme weg vom Fenster: Wenn die Umgebung eines Bildschirms zu hell ist – zum Beispiel vor einem Fenster – entstehen Blendungen und die Lesbarkeit ist schlechter. Das kann zu Kopfschmerzen führen. Ausserdem bist du versucht, die Rollläden zu schliessen. Im Winter sinkt damit die Erwärmung der Wohnung durch die Sonne und der Energieverbrauch für die Heizung steigt. Beispiel: Wenn du die Rollläden offen lässt, kannst du den Verbrauch deiner Heizenergie halbieren. Damit sparst du in einem durchschnittlichen Winter allein mit der Erwärmung des Raums durch die Sonne 250 kWh Heizenergie. Das entspricht ganzen 25 Litern Heizöl!
  • Behaglichkeit mit intelligenter Möblierung: Positioniere Sitzgelegenheiten und Arbeitstische im Abstand von einem Meter zu den Fenstern. So kannst du das Gefühl von kalten Fensterflächen oder Zuglufterscheinungen einfach vermeiden und musst die Heizung nicht hochdrehen. Das spart viel Energie. Beispiel: Wenn du auf dem Thermostat Stufe 2­3 statt Stufe 4 einstellst, sparst du 10 % der Heizenergie.
  • Augen auf beim Gerätekauf: Mit den richtigen elektrischen Geräten kannst du den Stromverbrauch um bis zu 65 % senken. Darum lohnt es sich, vor dem Kauf von Geräten wie Fernseher, Leuchten oder Staubsauger ein wenig zu recherchieren. Die unabhängige Webseite www.topten.ch gibt einen Überblick über die besten Produkte in verschiedenen Kategorien. Die Seite zeigt für jedes Produkt die anfallenden Stromkosten auf und gibt Tipps für den Einkauf.

Gleich loslegen – dem Klima und dir selbst zuliebe

Wenn du mit einem offenen Blick dein Verhalten betreffend Wohnen und Mobilität hinterfragst und die ersten Massnahmen umsetzt, wirst du mit Freude feststellen: Ich kann etwas bewirken! Und wenn das jeder Haushalt macht, haben wir bereits extrem viel erreicht.

 Referenzen/Literatur:

Ein Artikel von Andreas Baumgartner.