In einer Woche zum Klimahelden

Vor kurzem ist die neue App von MYBLUEPLANET gestartet. Sie verspricht, mit Challenges, Spiel und Spass den eigenen Fussabdruck zu verkleinern. Doch geht das wirklich so einfach?

Sie ist endlich da

Seit Wochen bereiten wir Events und Promotionen für sie vor, doch live haben wir sie noch nie gesehen. Vor wenigen Wochen ist unsere ClimateActions-App endlich gestartet. Ich habe das Ganze aus nächster Nähe miterlebt, habe bereits vor dem Start nach Fehlern gesucht und in der Woche nach Launch zwei Promotionsanlässe mitorganisiert. Doch praxisnah getestet habe ich die Applikation nie. Das soll sich nun ändern: Für diesen Artikel habe ich die App etwas mehr als eine Woche intensiv genutzt und mich mit ihr vertraut gemacht.

Mein erster Eindruck: Die App ist angenehm simpel und logisch um ihre Hauptkomponente, die Challenges, aufgebaut. Diese sind jeweils in eine der vier Kategorien («Ernährung», «Konsum», «Mobilität» und «Wohnen») eingeteilt. Um möglichst viel Verschiedenes auszuprobieren, habe ich fünf Challenges ausgewählt – aus jeder Kategorie mindestens eine:

Vegan experimentieren
«Hahnenburger» trinken
Vielfältig recyclen
Velo- statt Autofahren
Ständig unter Strom stehen (= Geräte ausstellen, anstatt auf Stand-by)

Umstellungen und Schwierigkeiten

Vorweg: Ich bin Student, lebe noch im Hotel Mama und habe grundsätzlich wenig Zeit. Daher habe ich die ausgewählten Challenges teilweise leicht für meine Situation angepasst. So habe ich beschlossen, veganes Essen für alle Mahlzeiten auszuwählen, bei denen ich «selbst entscheide», was auf den Teller kommt (bedeutet: Frühstück, Mittagessen, selten Abendessen und alles zwischendurch). Ich habe mich eher kurzfristig für diese Challengewoche entschieden. Grosse Vorbereitungen? Fehlanzeige.

Schnell habe ich bemerkt, dass die Challenges auf zwei unterschiedliche Weisen bewältigt werden müssen: Es gibt solche, für die man die Grundlagen einmal setzt – und dann mehr oder weniger unbewusst die Veränderung herbeileitet, und solche, bei denen man immer wieder «auf die Probe gestellt wird».

Während beim Recyclen einfach nur ein paar mehr Tüten an die Tür gehängt werden müssen und man sich ziemlich schnell an das neue System gewöhnt, können, um Strom zu sparen, alle elektronischen Geräte über eine Steckdosenleiste mit einer ein- und ausschaltbaren Steckdose verbunden werden. Von nun an muss lediglich der Strom ausgeschaltet werden, sobald das Zimmer verlassen wird. Das kostet mich – grosszügig berechnet – zehn Minuten!

Schnell kommt die Frage auf: «Warum habe ich das nicht schon früher gemacht?» Die App bringt mich dazu, solche kleinen Veränderungen, die viel bewirken können, endlich anzupacken.

Der Wechsel zum Fahrrad im Bereich «Mobilität» funktioniert bei mir ähnlich einfach, da ich sowieso noch nicht Autofahren kann und meine eingeschränkten finanziellen Mittel nach Möglichkeit nicht gleich bei der nächsten Bushaltestelle wieder verprassen möchte.

 

Persönliche Vorteile und neue Blickwinkel

Am interessantesten sind für mich die ersten beiden Challenges. Diejenigen, für die es nicht ausreicht, die Infrastruktur einmalig zu verändern. Ich bin seit Jahren ein strenger Anhänger der «Wasser nur mit Kohlensäure»-Community und hatte eigentlich auch nicht vor, das zu ändern. Doch nach einer Woche merke ich, dass das Wasser ohne Kohlensäure nicht ganz so schlimm ist, wie erwartet. Um ehrlich zu sein, vergisst man beim unbewussten Trinken nach einigen Tagen bereits, was man da eigentlich trinkt, und so wird die Challenge ziemlich schnell zur Gewohnheit, die man aus finanziellen Gründen und Bequemlichkeit gerne beibehält.

Wie bereits erklärt, habe ich das Ganze ohne grosse Vorbereitungen gestartet. Bedeutet: Von einem auf den nächsten Tag bin ich als Flexitarier in die Mensa, die Migros oder zum Dönerstand, mit der Erwartung, nun etwas Veganes zu essen. Überlegt, ob es überhaupt etwas Veganes im Angebot hat, habe ich natürlich nicht.

Nun die grosse Frage: «Gibt es heute wirklich überall vegane Optionen?»

Ja, das gibt es tatsächlich, wenn auch teils mit begrenzter Auswahl: In der Migros gab es genau ein einziges veganes Brötchen und beim Dönerstand wurde ich auf Falafel verwiesen. Dafür gibt es an der Uni eine grosse Auswahl an veganen Sandwiches, Salaten oder warmen Gerichten. Schnell merkt man, dass veganes Essen nicht nur (oft) gesund und immer populärer, sondern auch lecker ist.

Die vegane Ernährung hat einen weiteren grossen Vorteil: Man reduziert den Konsum von Süssigkeiten fast automatisch, da ein Grossteil der Schokoladenprodukte, Gummibärchen und Kuchen tierische Produkte wie Milchpulver, Honig, Gelatine oder Eigelb enthalten.

Ist also alles an der Vegan-experimentieren-Challenge positiv? Fast. Das Frühstück vegan zu gestalten ist für mich schwierig. Dafür mag ich Porridge, Müsli, Joghurt, Toast mit Butter, Pancakes und Gipfeli zu sehr. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, zwar auch nach der Challengewoche grösstenteils vegan zu essen, doch beim Frühstück und in anderen Momenten eine Ausnahmen zu machen.

 

Fazit

Egal welche Challenge man ausprobiert: Die ClimateActions App bietet die Möglichkeit, alte Gewohnheiten aufzubrechen und Neues auszuprobieren – und dies mit der verlockenden Aussicht, mit jeder erfolgreich abgeschlossenen Challenge Klimapunkte zu sammeln und im Ranking mit den anderen Spieler*innen aufzusteigen.

Dank dem spielerischen und unverbindlichen Ausprobieren neuer Gewohnheiten und Perspektiven, kann ich mir selbst einen Eindruck machen, welche Vor- und Nachteile klimafreundliche Entscheidungen im Alltag mit sich bringen. Aus diesen meist etwa einwöchigen Challenges kann man dann seine eigenen Schlüsse ziehen:

Entweder habe ich eine Challenge positiv erlebt und möchte mich auch weiterhin mit dem Thema beschäftigen (wie bei mir mit der veganen Ernährung und dem Leitungswasser) oder ich weiss dank der Challenge, dass diese Gewohnheit nichts für mich ist (hat sich bei mir nicht ereignet). Bestenfalls erkennt man auch, wie es bei mir mit dem Stromsparen und Recycling der Fall war, dass eine Umstellung wahnsinnig einfach ist, kaum Zeit benötigt und man dadurch erst noch Geld sparen kann.

Die ClimateActions-App dient also nicht nur dazu, die eigenen CO2-Emmissionen zu verringern, sondern auch dazu, neue Gewohnheiten, Perspektiven und Ideen zu entdecken. Übrigens kannst du auch Teams bilden und zum Beispiel mit der Familie, mit Freunden oder deinem Verein an den Challenges teilnehmen. Gemeinsam macht das Ganze noch mehr Spass!

Ein Beitrag von Florian Hellwig.